TENNESSEE’S PARTNER (Todesfaust, Allan Dwan, 1955) mit RHONDA FLEMING

Man kann Hans Schifferle nur uneingeschränkt zustimmen, wenn er schreibt: „Ihre schönsten und am meisten ihrer Kinopersona entsprechenden Rollen hat Rhonda Fleming freilich bei Allan Dwan, der in seiner langen Karriere mit Douglas Fairbanks Sr., Gloria Swanson und Shirley Temple zusammengearbeitet hat. Zwei Filme hat sie mit Dwan gemacht, erotische kleine Genreperlen, zwischen A- und B-Film schwankend“ [1]. Sie hatte im Mai 1955 mit dem unabhängigen Produzenten Benedict Bogeaus, der ab 1952 seine Filme über die RKO vertrieb, einen Vertrag über drei Filme abgeschlossen [2] und diesmal damit enormes Glück. Die RKO bestand darauf, dass der Hollywood-Veteran Dwan die Regie übernahm, um die Produktionskosten unter Kontrolle zu halten, die bei Bogeaus in der Regel zwischen $800.000 und $850.000 veranschlagt wurden (bei einer Drehzeit von 15 Tagen ) [3]. Nach Rhonda Fleming brauchte Dwan für TENNESSEE’S PARTNER dann doch 32 Drehtage [4], zu einem dritten Film für Bogeaus nach SLIGHTLY SCARLET sollte es dann allerdings nicht mehr kommen, da RKO Pictures 1955 den Mischkonzern General Tire erwarb und die Abteilung für Filmproduktion im Herbst 1957 an Desilu verkauft wurde (die auf reine Fernsehproduktion umstellte) [3].Der 1885 in Kanada geborene Dwan war einer der großen Filmpioniere Hollywoods, der in den Anfangsjahren der Traumfabrik einen Status innehatte, der nur noch mit dem D. W. Griffiths oder Cecil B. DeMilles vergleichbar war – vor allem aber war er der wahrscheinlich einzige Regisseur, der die Screen Persona Rhonda Flemings tatsächlich vollständig verstanden hatte und auch zur Entfaltung kommen ließ. Dwan verstand sich auf die Inszenierung außergewöhnlicher femininer Präsenz; bereits in der Stummfilmzeit hatte er aus Gloria Swanson mit einer Reihe von Filmen wie ZAZA (1923) oder A SOCIETY SCANDAL (1924) einen Star und eine regelrechte Ikone gemacht. Carole Lombard, in den 30er-Jahren einer der bestbezahlten Stars Hollywoods, gab 1921 in Allan Dwans A PERFECT CRIME mit 12 Jahren ihr Filmdebüt. Und Ida Lupino hatte 1932 in Dwans HER FIRST AFFAIRE ihren zweiten Auftritt und ihre erste Hauptrolle, die keine Kinderrolle mehr war. Überhaupt waren Leinwand-Ikonen wie Swanson und Lombard oder frühe Sexsymbole wie Theda Bara und Clara Bow nicht ganz unbedeutend für die Screen Persona Rhonda Flemings, auch was ihre äußere Erscheinung betraf. Die legendäre Edith Head, seit 1938 Chef-Designerin der Paramount (bei der sie 44 Jahre blieb), entwarf zahlreiche Kostüme für Rhonda Fleming („Ihre Kleidung sitzt so wunderschön, wie ein Handschuh“ [5]), für A CONNECTICUT YANKEE und THE GREAT LOVER, aber auch für Abenteuerfilme wie CROSSWINDS und JIVARO und Western wie PONY EXPRESS und GUNFIGHT AT THE O.K. CORRAL. Als Head 1957 für THE BUSTER KEATON STORY zum zwölften und vorletzten Mal Rhonda Flemings Kostüme entworfen hatte, wurde sie von Harrison Carroll danach befragt, ob sie sich „noch andere Kleider für Rhonda erträumt habe.“ „Ich habe sie mir nicht ausgedacht. Fast alle Kostüme von Rhonda habe ich von Kleidern kopiert, die ich für Gloria Swanson, Clara Bow und Carole Lombard entworfen habe“, so Head [6].

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Hits: 70

I SAW WHAT YOU DID (Es geschah um 8 Uhr 30, 1965) von WILLIAM CASTLE auf Blu-ray

 

 

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten einen Anruf und jemand sagt zu Ihnen am Telefon: „Ich habe gesehen, was Sie getan haben, und ich weiß, wer sie sind!“

William Castles I SAW WHAT YOU DID (Es geschah um 8 UHR 30, 1965) mit Joan Crawford und John Ireland erscheint am 12. Nov. 2021 in der „Classic Chiller Collection“ des Magdeburger Labels „Ostalgica“ auf Blu-ray.

Der letzte große Film des „Gimmick-King“ William Castle, gedreht für die Universal International nach einer Romanvorlage von Ursula Curtiss („Der Spielverderber“), ist ein spannender Thriller und tatsächlich so etwas wie die Urvorlage des Teenager-Slashers. Ein Höhepunkt ist eine der interessantesten Reminiszenzen an die Duschmord-Szene aus Alfred Hitchcocks PSYCHO (1960).  „Kaum anzunehmen, dass Bill Castle seinen Suspense-Thriller auch noch im Smartphone-Zeitalter hätte drehen können, seiner Zeit ein wenig voraus war er dennoch schon. Auch wenn noch dreizehn Jahre vergehen sollten, bis John Carpenter mit seinem HALLOWEEN… die Welle des Teenager-Slasher-Films ins Rollen brachte, so sind bereits in Bill Castles Film alle Versatzstücke des Genres vorhanden: Die Teenager-Mädchen als Identifikations-Figuren, der ganz normale Bürger als Psycho-Killer, das unumgängliche Messer als Mordwerkzeug und die ganz auf Spannung ausgerichtete Handlung – und sogar ein wenig Blut. Doch muss den Massen von Kids, die weltweit in ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST… geströmt sind, ES GESCHAH UM 8 UHR 30, der sich von der Grundidee her durchaus mit diesem neueren Teenager-Horrorfilm vergleichen lässt, wie ein ganz großer Filmklassiker erscheinen. Denn gegenüber dem langweiligen Columbia-Hit der 90er-Jahre ist Castles Film fraglos der in jeder Beziehung bessere und vor allem spannendere“ (Robert Zion: William Castle oder Die Macht der Dunkelheit, 2000).

Der Film erscheint als Amaray im Pappschuber mit vielen hochwertigen Extras:

  • 16-seitiges Booklet mit einem Text von Robert Zion: “HABEN SIE GESEHEN, WAS WILLIAM CASTLE GETAN HAT (UND WISSEN SIE, WER ER IST)? – ‘1. Die Amazone’, ‘2. Quiche Lorraine’, ‘3. Telefonspiele’, ‘4. Kalte Dusche’“
  • Mit dem Remake TODESSPIELE (I SAW WHAT YOU DID, Regie: Fred Walton, 1987) mit Shawnee Smith, Robert und David Carradine auf der Blu-ray
  • Videokommentar von Lars Johansen
  • Deutscher Vorspann
  • Englischer Original-Teaser
  • Englischer Original-Trailer mit William Castle
  • Trailers from Hell mit Larry Karaszewski mit Untertiteln
  • Bildergalerie

 

Technische Daten:
Bild: 1.85:1 (1080p, 23.976, AVC) / Schwarzweiß
Laufzeit: 82 Min.
Ton: Deutsch, Englisch (beide: 1.0 Mono DTS HD Master Audio)
Untertitel: Deutsch, Englisch

Bei I-Catcher-Media bestellen

Hits: 1490

THE NIGHT WALKER (Er kam nur nachts, 1964) von WILLIAM CASTLE auf Blu-ray/DVD

 

 

Am 13. November 2020 erscheint William Castles THE NIGHT WALKER (Er kam nur nachts, 1964) als Nr. 4 von “Der Fluch der Galerie des Grauens” von Anolis auf Blu-ray/DVD.

In einem sehr ausführlichen Booklet-Essay und dem Audiokommentar gehe ich u.a. auf die lange Karriere William Castles im Studiosystem Hollywoods, auf den Drehbuchautor Robert Bloch und den Filmkomponisten Vic Mizzy sowie auf die beiden Stars Barbara Stanwyck und Robert Taylor ein, vor allem aber auf diesen einmaligen Film, einen der skurrilsten, der jemals gedreht wurde: “THE NIGHT WALKER, irgendwo angesiedelt zwischen Alfred Hitchcock und Luis Buñuel, zwischen Kunst und camp, zwischen pulp und Film Noir, war mit seinen bizarren Bildern und vollkommen künstlichen und unwirklichen Atmosphäre der Entfremdung, mit seinen Puppengesichtern, schrägen Charakteren und überraschenden Wendungen, in der Tat seiner Zeit weit voraus. Ein surrealistisches Meisterwerk, eigenwillig, creepy und verstiegen, jenseits aller Regeln der Vernunft und der Filmtechnik, wahrscheinlich sogar der Film, der bis heute die irreale Logik des Traums am realsten eingefangen hat. THE NIGHT WALKER ist William Castles opus magnum” (Robert Zion: William Castle oder Die Macht der Dunkelheit, 2000).

THE NIGHT WALKER enthält folgende Extras:

 

  • 24-seitiges Booklet mit einem Text von Robert Zion: “Where did our love go…?”
  • Audiokommentar von Robert Zion (ca. 86 Min.)
  • Audiokommentar von Steve Haberman
  • Amerikanischer Kino-Trailer
  • Amerikanischer Radio-Spot
  • Deutsche Titelsequenz
  • Amerikanischer Werberatschlag
  • Filmprogramm
  • Bildergalerie

Technische Daten:

FSK: 16
Bild
: 1.85:1 (16:9)
Laufzeit: 86 Minuten (BD/24 fps)/82 Minuten (DVD/25 fps)
Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD 2.0 Mono)
Untertitel: Deutsch

Nicht mehr lieferbar [Booklet als PDF]

Hits: 45

A BUCKET OF BLOOD (Das Vermächtnis des Prof. Bondi, 1959) von ROGER CORMAN als Mediabook erschienen

 

 

 

Am 30. Juli 2020 ist Roger Cormans Beatnik-Farce A BUCKET OF BLOOD (Das Vermächtnis des Prof. Bondi, 1959) mit Dick Miller im Mediabook auf Blu-ray/DVD bei Koch Films erschienen. Eine weltweite Referenz-Veröffentlichung, die zudem noch Elijah Drenners Dokumentation THAT GUY DICK MILLER enthält. Koch Films veröffentlicht ebenso meinen Audiokommentar (gemeinsam mit Christian Kessler) für die Deutsche Kinofassung (Anolis, Galerie des Grauens 2, 2009) neu, für die der Mercator-Filmverleih (Bielefeld) eigens zusätzliche Szenen gedreht hat.

“Klassengegensätze sind ökonomische Interessengegensätze und lassen sich daher auch nicht moralisch auflösen (TEENAGE DOLL), ebenso wenig, wie die oktroyierte Erfahrung der eigenen sexuellen Identität als eine abnorme (SORORITY GIRL). Roger Cormans Kino der Rebellion des Unmittelbaren bringt die entstehenden Risse in der bürgerlichen Ordnung für die Generation der baby boomer zum Ausdruck, bietet ihnen aber bewusst keine bürgerlichen Auswege an. Die Rebellion des Bohemien hingegen ist eine andere, eine der (Möchtegern-)Künstler, -Poeten, -Maler und -Musiker innerhalb des Bürgertums. Für „Walter Paisley“, den etwas schlichten Kellner aus der Unterschicht in dem Beatnik-Schuppen in A BUCKET OF BLOOD, erweist sich diese Rebellion dann auch als eine Farce, die konsequenterweise zu seiner Ausbeutung führt und in seinen Selbstmord mündet. Cormans von Charles B. Griffith geschriebene Horror-Komödien – A BUCKET OF BLOOD und CREATURE FROM THE HAUNTED SEA – mögen ebenso billig, wie leicht und irrwitzig skizziert sein, in Wirklichkeit sind sie von dem beißenden Nihilismus von THE WILD ANGELS nicht mehr allzu weit entfernt” (Robert Zion: Roger Corman – Die Rebellion des Unmittelbaren, Werkausgabe, Band 1, 2023).

Das Mediabook enthält folgende Extras:

 

  • Audiokommentar zur dt. Kinofassung von Robert Zion und Christian Kessler
  • Super-8-Fassung (ca. 8 Minuten)
  • Interview mit Dick Miller und Lainie Miller (ca. 12 Minuten)
  • Interview mit Roger Corman (ca. 8 Minuten)
  • Audiointerview mit Charles B. Griffith (ca. 20 Minuten)
  • Deutscher und englischer Trailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • 20-seitiges Booklet von Oliver Nöding
  • Dokumentation THAT GUY DICK MILLER von Elijah Drenner (2014)

 

Technische Daten:
Bild
: 1.85:1 (16:9) / Schwarzweiß (Hauptfilm)/Farbe (Dokumentation)
Laufzeit: ca. 75 Minuten (Hauptfilm, dt. Kinofassung)/ ca. 66 Minuten (Hauptfilm, US-Fassung)/ca. 92 Minuten (Dokumentation)
Ton Hauptfilm: Deutsch, Englisch (Blu-ray: PCM 2.0/DVD: Dolby Digital 2.0)
Ton Dokumentation: Englisch
Untertitel Dokumentation: Deutsch

Nicht mehr lieferbar

Hits: 17

DER UNHEIMLICHE MR. SARDONICUS (Mr. Sardonicus, 1961) von WILLIAM CASTLE im Mediabook

 

 

 

 

Im August 2019 startet Koch Films seine “William Castle Collector’s Edition” mit der Veröffentlichung von William Castles DER UNHEIMLICHE MR. SARDONICUS (Mr. Sardonicus, 1961) auf Blu-ray und DVD. Das wunderschön gestaltete Mediabook im Schuber enthält als Extras u.a. eine Replik der “Punishment Poll”-Karte, mit der die Zuschauer im Kinosaal über das Schicksal der Titelfigur abstimmen konnten, sowie einen Audiokommentar von mir.

In diesem gehe ich natürlich auf Castles Gimmick-Kino ein, aber auch auf die Bezüge des Films zum klassischen Universal-Horror, auf vielfältige Motive im Kino William Castles, die kulturelle Bedeutung der Maske sowie die historischen, kulturellen, filmhistorischen und medizinischen Implikationen des “sardonischen Grinsens” (risus sardonicus). William Castles DER UNHEIMLICHE MR. SARDONICUS ist ein Meisterwerk des Kinos des Unheimlichen und die deutsche Heimkino-Veröffentlichung des Jahres!

Das Mediabook enthält folgende Extras:

  • Audiokommentar von Robert Zion (ca. 89 Min.)
  • Featurette “Taking the Punishment Poll” (ca. 8 Min.)
  • Richard Kahn über den “Punishment Poll” (ca. 6 Min.)
  • Jonathan Rigby über “Mr. Sardonicus” (ca. 28 Min.)
  • Stuart Gordon über “Mr. Sardonicus” (ca. 4 Min.)
  • Deutscher und englischer Trailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • Punishment Poll-Karte (fluoreszierende Miniatur-Replik)
  • 16-seitiges Booklet von Christoph Huber

 

 

Technische Daten:

FSK: 16
Bild
: Blu-ray: 1.85:1 (HD 1080 p)/DVD: 1.85:1 (16:9)
Laufzeit: ca. 89 Minuten (Hauptfilm)
Ton Hauptfilm: Deutsch, Englisch (Blu-ray: PCM 2.0/DVD: Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: Deutsch

Beim Label bestellen

Hits: 45

LA SINDROME DI STENDHAL (1996) von Dario Argento

Sehnsucht
THE STENDHAL SYNDROME (1996) oder Die Macht der Bilder

„Man kann das Böse empfinden, nur weil man auf ein kleines Detail in der Ecke starrt und weiß, dass sich der Künstler damit vor Jahrhunderten abgequält hat“ –

Dario Argento.

Der französische Romantiker Henri Beyle (1783-1842), der sich selbst „Stendhal“ nannte, hat 1817 in den Tagebüchern seiner Italienreise erstmals einen von der Wirkung von Kunstwerken ausgelösten „physischen Zustand“ beschrieben, den sein Landsmann Seillière noch 1906 etwas sarkastisch als eine „romantische Krankheit“ bezeichnete. Nach der Betrachtung der Grabmäler Machiavellis, Michelangelos und Galileis und der Fresken Volterranos in der Kirche Santa Croce in Florenz, notierte Stendhal am 22. Januar in seinem Tagebuch: „Meine Bewegung ist so tief, dass sie fast religiös ist. Das feierliche Dunkel dieser Kirche, ihr schlichter, offener Dachstuhl, ihre unvollendete Fassade, das alles spricht eindringlich zu meiner Seele. Ach, könnte ich doch vergessen! … Ich war in Bewunderung der erhabenen Schönheit versunken; ich sah sie aus nächster Nähe und berührte sie fast. Ich war auf dem Punkt der Begeisterung angelangt, wo sich die himmlischen Empfindungen, wie sie die Kunst bietet, mit leidenschaftlichen Gefühlen gatten. Als ich die Kirche verließ, klopfte mir das Herz; man nennt das in Berlin Nerven; mein Lebensquell war versiegt, und ich fürchtete umzufallen.“ Später wurde diese seltsame Symptomatik – eine Mischung aus Reisemüdigkeit, romantischer Sehnsucht und Überwältigung durch die Kunst – von Medizinern nach dem französischen Schriftsteller benannt: „Das Stendhal Syndrom“. Noch heute stehen in Florenz drei Krankenbetten für Besucher der Uffizien bereit, die diesem Syndrom erliegen.

Nachdem Argento eine Beschreibung des Syndroms in dem Buch „La Sindrome di Stendhal“ der freudianischen Psychoanalytikerin Graziella Magherini entdeckt hatte, war er sofort fasziniert von den filmischen Möglichkeiten, die es eröffnete: „Als ich weiter über das Syndrom nachforschte, fand ich heraus, dass es nicht nur gespaltene Persönlichkeiten und Halluzinationen verursacht, oder dazu führt, dass sich die Leute selbst Verletzungen beibringen; es verleiht den betroffenen Personen auch enorme physische Kräfte und löst oftmals Todessehnsüchte bei ihnen aus. Stendhal ist viel gereist – er schrieb unzählige Reisebücher – und war ein absoluter Verehrer der Dichtung Lord Byrons. Er gehörte zu jenen Vollblutromantikern, die meiner Meinung nach empfänglicher dafür waren, durch die Schönheit überwältigt zu werden. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass er müde war – das Touristendasein ist anstrengend -, das könnte viel mit dem Schwindelerregenden seiner Symptome zu tun haben. Dennoch kann man nicht abstreiten, dass das Syndrom existiert, denn in Florenz fällt ihm bis heute eine Person pro Tag zum Opfer. Nun gab es da einen ungewöhnlichen Zustand, der all die charakteristischen Eigenarten aufwies, die ich für Wert hielt, sie in Drehbuchform zu diskutieren. Du schaust ein Gemälde an und deine Seele verändert sich. Du siehst ein Meisterwerk und es ist unmöglich, hiernach noch dieselbe Person zu bleiben. Man kann das Böse empfinden, nur weil man auf ein kleines Detail in der Ecke starrt und weiß, dass sich der Künstler damit vor Jahrhunderten abgequält hat. Meine ganze Aufregung galt der Tatsache, dass die Kunst für gewöhnlich für etwas gehalten wird, was den Geist anregt, und nicht für etwas, dass ihn zerstört oder überwältigt. In der Schule wurde uns erzählt, die Kunst könne unser Leben bereichern. Stendhal hat entdeckt, dass dies nicht wahr ist. Sie kann ebenso entkräftend sein. Die Möglichkeiten der Kunst interessierten mich schon immer brennend. So wurde in der Regel angenommen, dass Gewaltdarstellungen im Film und Fernsehen Gewaltbereitschaft im Betrachter auslösen. Die ersten zwanzig Minuten SUSPIRIAS wurden oft als Beispiel dafür angeführt, dass die Leute ihr Bewusstsein verlieren, aber so ist es auch bei der Kunst. Das sind die Fragen, die ich mit THE STENDHAL SYNDROME aufwerfe.“

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