JACKSON COUNTY JAIL (1976) von Michael Miller

Jackson County Jail (Vergewaltigt hinter Gittern, Michael Miller, 1976)

Jackson County Jail, Ende 1975 für $500.000 in vier Wochen gedreht, ist eine der ganz wenigen Eigenproduktionen von Roger Cormans New World Pictures, die sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik gleichermaßen Erfolg hatten. Der Film spielte $2,3 Millionen ein, avancierte hiernach zum Kult-Film und wurde von Quentin Tarantino als einer der Filme für das erste “Quentin Tarantino Film Fest” 1996 in Austin, Texas ausgewählt. Der bedeutendste Filmkritiker der USA Roger Ebert bezeichnete den Film als “kraftvoll und ehrlich”, Vincent Thomas nannte ihn ein “erschütterndes Bild des zweihundertjährigen Amerika” und Vincent Canby sah in ihm ein Beispiel “eines Filmemachens von unbamherziger Energie und von erschütternder Anziehungskraft, das an die Agit-Prop-Melodramen der 30er Jahre erinnert.” Und Roger Corman sowie der zu diesem Zeitpunkt 36-jährige Regisseur Michael Miller hatten genau dies im Sinn, wie Miller selbst erzählte: “Ich wollte einen Film über die Zweihundert-Jahr-Feier drehen. Ich wollte, dass der Film eine Metapher dafür ist, wo ich das Land 1976 sah: Es gab einen große Auseinandersetzung um Frauenrechte, es gab viel Verständnis für kriminelle Handlungen und es gab eine Menge Idioten, die diesen 4. Juli feierten, bei dem die Polizei tatsächlich auch Menschen in Paraden abschoss.”

Dinah: Yvette Mimieux

Damit wären wir bereits bei der Handlung: Für die in der Werbebranche arbeitende Dinah Hunter (Yvette Mimieux) beginnt der Tag, der für sie alles verändern wird, nicht gerade angenehm als ein Kunde sie bei einer Testvorführung mit typischen Macho-Stereotypen auflaufen lässt. Zuhause angekommen, muss sie auch noch feststellen, dass ihr Mann sie mit einer Jüngeren betrügt, sie kurzerhand fallen lässt und sogar aus ihrem gemeinsamen Haus wirft. Dinah entschließt sich bei einer Freundin in New York ihren alten Job wieder aufzunehmen und macht sich von Los Angeles aus mit dem Auto auf den Weg quer durch die USA. Unterwegs nimmt sie zwei Tramper (Robert Carradine und Nancy Lee Noble) mit, doch die ziehen plötzlich eine Waffe und stehlen ihr des Nachts irgendwo auf dem Lande in Jackson County ihr Auto sowie ihre Handtasche mit ihrem Geld und ihren Papieren. Dinah schleppt sich in ein verlassenes Diner, will dort die Polizei anrufen, doch der Barkeeper Dan (Britt Leach) bedrängt sie in eindeutiger Absicht. Als schließlich im letzten Moment ein Deputy des County-Sheriffs auftaucht, glaubt dieser allerdings dem Barkeeper, der behauptet Dinah habe ihn angegriffen. Da sie zudem ihre Identität nicht nachweisen kann, wird sie verhaftet und in das Gefängnis von Jackson County gesteckt – auf dem Lande hält man zusammen.

Blake: Tommy Lee Jones

In ihrer Nachzbarzelle liegt der Kriminelle Blake (Tommy Lee Jones), der unter Mordanklage nach Texas ausgeliefert werden soll. Sheriff Dempsey (Severn Darden) erklärt Dinah, dass sie die Nacht im Gefängnis bleiben muss, bis er ihre Identität endgültig festgestellt hat. In dieser Nacht wird Dinah von dem hinterwäldlerischen Nachtwächter Deputy Hobie (Fredric Cook) brutal vergewaltigt. Dinah nimmt nach dem ersten Schock einen Holzstuhl und schlägt hiermit den Deputy tot. Blake schnappt sich die Schlüssel und bricht nun mit Dinah aus. Die beiden fliehen in Hobies Pickup. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd kommt Sheriff Dempsey bei einem Unfall ums Leben. Die beiden sind nun Cop-Killer. Sie verstecken sich zunächst bei Blakes outlaw-Freunden – darunter Pearl (Mary Woronov) – in einer Scheune in den Bergen. Ein erste Angriff zweier Polizisten kann von den schwer Bewaffneten noch abgewehrt werden und Dinah und Blake fliehen weiter auf eine verlassene Ranch.

Weiterlesen

Hits: 94

CAT PEOPLE (1942) von Jacques Tourneur

Cat People (Katzenmenschen, Jacques Tourneur, 1942)

Jacques Tourneurs Cat People, objektiv nur ein kleiner, für $134.000 von Val Lewton für die RKO produzierter B-Picture, ist vielleicht sogar mehr als nur ein Film. Man könnte den Film ein visuelles Gedicht nennen, die vielleicht schönste Liebeserklärung an die Frau, die jemals von einer Gruppe von Männern – Produzent Val Lewton, Regisseur Jacques Tourneur, Kameramann Nicholas Musuraca, Drehbuchautor DeWitt Bodeen, Cutter Mark Robson, Komponist Roy Webb – auf die Leinwand gebracht wurde. Cat People spielte $4 Millionen in den ersten beiden Jahren ein und rettete das Studio vor dem finanziellen Desaster, in das Orson Welles die RKO – nicht allein, aber im Wesentlichen – mit Citizen Kane (1941) und The Magnificent Ambersons (1942) geführt hatte. Zugleich rettete Cat People ein ganzes Genre, den Horrorfilm, den die Universal Pictures in den 40er Jahren mit immer abstruseren “Monster-Rallies” ausverkaufte.

In Cat People überlebte die ganze Poesie, die visuelle Schönheit, die archaische Kraft, die der Horrorfilm in seinen größten Momenten hervorzubringen imstande ist, über 20 Jahre nahezu allein, bevor dann andere Filme, wie etwa Rosemary’s Baby (Roman Polański, 1968), andere Regisseure, wie etwa Dario Argento und David Cronenberg, in den 60er und 70er Jahren sein Erbe antraten. Und selbst heute noch gilt: immer dann, wenn das Genre sich wieder einmal in endlosen Wiederholungen, im Formelhaften, im Misogynen verliert, dann tritt Cat People sein Erbe wieder an und erinnert an den zentralen Mythos des Horrorfilms – den des Halbwesens – und erneuert seine Fragestellung, stellt sich seiner Aufgabe, definiert sein Problem: die Natur.

Zudem, da das Kino ein vorwiegend visuelles Medium ist, in dessen Bilder sich die Bewegung und das Begehren einschreiben, trägt es stets das Versprechen in sich, sich selbst zu überschreiten und so tatsächlich zu einem eigenständigen ästhetischen Weltzugang, zur Kunst werden zu können. Auch dieses Versprechen, Cat People erhält es über die Zeiten hinweg stets aufrecht. Seine Lichtführung, Mise-en-Scène und Montage verbinden sich zu einer originären Sprache, in der seine Geschichte erzählt wird. Zunächst:

Lichtführung: Simone Simon

Cat People ist mit Licht gemalt, im gesamtem Spektrum des Schwarzen, über verschiedene Grautöne bis zum Weiß in feinen Abstufungen. Manchmal wird das Dunkel nur durch natürliche Lichtquellen erleuchtet. Dann wiederum gibt es harte Schwarz-Weiß-Kontraste, nur kleine weiße Flächen, in die die Gesichter leuchtend, aber eben auch einsam und isoliert hineinragen. Manchmal erscheinen die Charaktere wie gespensterhaft leuchtende Linienzeichnungen ihrer selbst, manchmal erscheinen die Bilder hochgradig abstrahiert, jedes Bild jedoch enthält Tiefe, eine eigene Komplexität, die den Betrachter stets in sich hineinzieht, denn:

Weiterlesen

Hits: 119

Jack Hill – Kino des Empowerment

JACK HILL – KINO DES EMPOWERMENT

Vortrag auf dem Randfilmfest/Kassel, 15. Sept. 2018 [Langfassung]

Jack Hill wurde am 28. Januar 1933 in Los Angeles geboren, die Mutter war Musiklehrerin, der Vater Set Designer und Art Director u.a. bei Warner Brothers. Das klingt geradezu nach einer bevorstehenden Musterkarriere für den Sohn in Hollywood, die es allerdings dann nicht so ganz werden sollte.

Tatsächlich studierte Hill an der University of California in Los Angeles, erlangte einen Abschluss in Musik, spielte hiernach in einem Symphonie Orchester, arrangierte u.a. die Musik für Burlesque-Shows, kehrte dann an die Universität zurück, um Film zu studieren und inszenierte dort schließlich mit seinen Freunden Sid Haig und Francis Ford Coppola 1960/61 seinen Abschlussfilm The Host. Spötter behaupten heute noch – nicht ganz zu Unrecht –, dass der dritte Akt von Coppolas Apocalpse Now von 1979 sehr stark von The Host inspiriert gewesen sei.

Jedenfalls landete Jack Hill, wie auch Coppola – wie auch Allan Arkush, Peter Bogdanovich, Barbara Peeters, James Cameron, Barbara Boyle, Joe Dante, Stephanie Rothman, Jonathan Demme, Monte Hellman, Dennis Hopper, Ron Howard, Gale Ann Hurd, Martin Scorsese, Jonathan Kaplan, Frances Doel, Robert Towne, usw., usw. –, in den Sechzigern beim berühmten Schnell- und Billigfilmer Roger Corman. Corman, der seine politische Haltung selbst einmal als „liberal bis radikal“ beschrieben hat, war natürlich weit mehr als nur ein Schnell- und Billigfilmer. Bereits 1960 schrieb das US-Branchenblatt “Boxoffice” über ihn: „Wenn es überhaupt eine new wave in der US-Filmindustrie geben sollte, dann muss es Corman sein, der diese repräsentiert.“ Cormans extrem effiziente Arbeitsweise im Exploitation– und Independent-Kino – zunächst für die American International Pictures, dann für seine eigenen Firmen Filmgroup und New World Pictures – nannte Peter Bogdanovich einmal eine „Guerrilla-Taktik“ des Filmemachens.

Heute nennen wir diese new wave „New Hollywood“, eine Zeit gesellschaftlichen Umbruchs und filmischen Aufbruchs. Und wer in dieser Zeit jenseits des schwerfälligen, teuren Studiosystems Filme machen wollte, landete zwangsläufig bei Roger Corman und in den Autokinos. So auch Jack Hill, der für Corman Filme fürs Fernsehen ergänzte (The Wasp Woman 1960), von Corman begonnene Filme mit anderen zu Ende drehte (The Terror, 1963) oder von diesem aus Jugoslawien gekaufte Spionagethriller in Horrorfilme umdrehte (Blood Bath, 1966).

Es war die große Zeit des Exploitation-Kinos, der Horror- und Science Fiction-Filme, der Krankenschwester- und Frauengefängnis-Filme und sogar – erstmals – der Filme eigens für das schwarze Publikum – Sexploitation, Nurseploitation, Woman in Prison-Movies, Carsploitation und Blaxploitation, usw. genannt. All das eben, was Quentin Tarantino so liebt, und was er uns heute in regelmäßigen Abständen als filmisches Großereignis und postmodernes Verweisuniversum präsentiert. Cormans Vorgaben seinerzeit waren dabei sehr stringent: in der Regel zwei Wochen Drehzeit, ein skandalös knappes Budget und natürlich das, was Jonathan Kaplan von Cormans Vorgaben erzählt: “Ich will Nacktheit vom Bauch aufwärts, vollständige Nacktheit von Hinten, keine Schambehaarung zeigen – an die Arbeit!” Nacktheit oder Gewalt, je nach dem, möglichst alle 15 Minuten und ansonsten weitestgehende Freiheit für die Autoren und Regisseure, alles durchaus im linken, progressiven und rebellischen Zeitgeist der 60er und frühen 70er Jahre. Corman förderte zudem mehr Frauen vor und hinter der Kamera, als irgendjemand im US-Kino jemals zuvor.

Jack Hill mag hierbei vielleicht nicht der einzige Autorenfilmer (Writer/Director) innerhalb dieses Exploitation-Kinos gewesen sein, mit Sicherheit aber war er der Bedeutendste. Spider Baby ist das eigentliche Kino-Debüt des Regisseur, ein Film, der im August/September 1964 für $50.000 – $65.000 in zwölf Tagen gedreht, aufgrund des plötzlichen Bankrotts der Produktionsfirma jedoch erst Ende 1967 veröffentlicht wurde, bei dem Hill erstmals die vollständige Kontrolle hatte. Jack Hills Kino des Empowerment zeigt sich hier bereits von Beginn an. Hier ist es zunächst eine Familie von Irren, betreut vom alten Universal-Horrorstar Lon Chaney Jr., die bedingungslos zusammenhält und sich gegen die geldgierige Verwandtschaft und die Entmündigung zur Wehr setzt und sich dieser mit samt dem herbeigeholten Rechtsanwalt „Schlocker“ mit nicht ganz politisch korrekten Methoden entledigt. Spider Baby, heute zurecht ein Kult-Film – wie ja überhaupt alle großen Filme Jack Hills –, beginnt als wilde Camp-Fantasie, bis dann plötzlich etwas eintritt, was immer wieder in Hills Filmen eintritt: Irgendwann vergisst man den Exploitation-Kontext, indem man nur noch den sorgfältig entwickelten Figuren, vor allem den Frauen-Figuren folgt, durch die uns Hill seine Sichtweise des menschlichen Dramas – nicht selten Shakespeare entlehnt – vermittelt. Und immer geht es um die Selbstbestimmung und die Rebellion, um das Sich-selbst-Ermächtigen der Subalternen, eben um das Empowerment.

Jack Hills nächster bemerkenswerter Film ist Pit Stop, bereits 1967 enstanden, allerdings erst 1969 in die Kinos gebracht. Hill wollte tatsächlich einen “Kunstfilm” drehen, nachdem ihm Roger Corman ein Budget von 75.000 Dollar und drei Wochen Drehzeit für einen Film über Stockcar-Rennen angeboten hatte. Corman sah einen Markt für solche Filme, hatte er doch bereits für seine eigene Produktionsfirma Filmgroup 1963 in Europa The Young Racers gedreht und erfolgreich über die American International Pictures vermarktet. Cormans einizige Bedingungen dabei: es müsse Auto-Crashs geben und der Held des Films müsse das große Autorennen gewinnen. Jack Hill, der gleich Produktion, Drehbuch und Regie übernahm, machte so aus “The Winner”, wie Pit Stop dann auch bei seiner Erstveröffentlichung hieß, einen höchst außergewöhnlichen Exploitation– und Independent-Film, eigentlich einen Autoren-Film mit einer stark anti-kapitalistischen Botschaft, in dem der Held dann zwar das große Auto-Rennen gewinnt, dabei aber seine Seele verliert. Pit Stop ist ein Film, ebenso wild, brutal und roh wie subtil, feinfühlig und intelligent, mit dem Jack Hill schon früh zeigte, dass er das Exploitation-Schema mit lebensnahen Figuren, die das menschliche Drama glaubwürdig und fesselnd untereinander ausspielen, zu übersteigen wusste. Vor allem aber sind es hierbei die Schauspieler – Richard Davalos, Ellen Burstyn, Beverly Washburn, vor allem Sid Haig – , die Pit Stop durchweg zu einer Perle des Independent-Kinos machen.

Dann kamen die Philippinen. Hill inszenierte dort 1971 für Roger Corman den Frauengefängnis-Film Big Doll House für $125.000, entdeckte dabei Pam Grier und brachte hiermit Cormans gerade neu gegründeter Produktionsfirma New World Pictures nicht weniger als 10 Millionen Dollar (inkl. Auslandsvermarktung) ein. Big Doll House jedenfalls garantierte den kommerziell erfolgreichen Start von Cormans neuer Firma zusammen mit Stephanie Rothmans The Student Nurses fast im Alleingang. Big Doll House ist ein für seine Zeit bereits erstaunlich frei inszenierter Film mit gleich mehreren Brüchen, ebenso mit sehr real und ernst wirkenden Verweisen auf die Folterpraktiken und Greuel der Lager im 20. Jahrhundert, wie auch eine wilde Camp-Fantasie von Frauen, die sich von ihrem eigenen Begehren leiten lassen, rebellieren und bewaffnet die Macht an sich reißen; Chicks’n’Guns, wie man sie erst über zwei Jahrzehnte später wieder bei Quentin Tarantino sehen sollte – das von Pam Grier gesungene Titelstück von Big Doll House “Long Time Woman”, wird Tarantino dann auch 1997 in seinem Jackie Brown verwenden. Das Interessante an dem Film ist bereits die Reflexion des Exploitation-Schemas: um dem voyeristischen Zuschauer den Spiegel vorzuhalten, setzt Hill diesem bei den Folterszenen gleich noch einen weiteren anonymen Voyeur vor die Nase und zwingt ihn hiermit geradezu, seinen eigenen heimlichen und beherrschenden Blick zu reflektieren. Big Doll House ist zweifellos ein Exploitation-Film jenseits der political correctness, aber doch auch ein Film über die Ausbeutung (“Exploitation”) und den Voyerismus, zugleich ein Film über das feminine Begehren, das Empowerment und die Rebellion.

Es ist ein Gesetz der Exploitation, dass einem Kassenhit ein Sequel folgen muss, und so drehte Jack Hill 1972 für New World Pictures auf den Philippinen The Big Bird Cage, wieder mit Pam Grier und Sid Haig. Anitra Ford, Werbe-Model und Hauptdarstellerin in The Big Bird Cage, sagt heute, dass ihr Jack Hill seinerzeit erzählt habe, dass es ihm auch mit den Woman in Prison-Filmen vor allem um die “Ermächtigung der Frauen” (“He want to set women in power”) gegangen sei. Tatsächlich hatte Hill nicht vor, nur einfach eine Formel zu wiederholen, er nutzte dieses Sequel nun aus, um die Exploitation-Formel der Woman in Prison-Filme mit The Big Bird Cage mit anarchischem Humor endgültig aufzubrechen und jenseits jeglicher political correctness ein ironisches-aufdeckendes Spiel mit den üblichen Genre-Klischees zu betreiben: aus den üblichen lesbischen Knastaufseherinnen, die ihre Machtposition gegenüber den Insassinnen sexuell ausnutzen, werden nun zwei schwule Knastaufseher, die daran natürlich kein Interesse haben – und prompt selbst von den Insassinnen vergewaltigt werden –, aus der weißen Dominanz wird die Dominanz der schwarzen Pam Grier, sobald diese im Lager auftaucht (“That’s ‘Miss’ Nigga to you!” – so Pam Grier in dem Film), und aus linken Zeitgeist-Revolutionären werden Gelegenheitsräuber, die ansonsten darauf achten, ihre Leben möglichst lazy und unaufgeregt zu verbringen. The Big Bird Cage wurde wieder ein Kassenhit, lief aber am längsten und erfolgreichsten in einem Schwulen-Kino in Hollywood. Das Gay-Publikum liebte Jack Hills Film, seine geradezu überbordende Dominanz alles Femininen – sogar noch in den Männerfiguren –, seinen sich gegen jegliche Autorität auflehnenden Anarchismus, wie auch das Angebot, mit Figuren wie den beiden schwulen Knastaufsehern einmal auf der Seite der Schurken stehen zu dürfen, im Dienst der Autorität zu foltern, nur um am Ende dann von den sexuell ausgehungerten Insassinnen vergewaltigt und von Hobbyrevolutionären überwältigt zu werden. Das, was man nach heutigen Maßstäben als Ansammlung homophober Geschmacklosigkeiten interpretieren würde, erwies sich in Wirklichkeit auch als ein Film für Gay-People, die hier – hierin dem Kino John Waters’ nicht unähnlich – einfach als Menschen gezeigt werden, Menschen, die hiermit Teil der großen Rebellion der Irren, Schwarzen und Frauen im Kino Jack Hills gegen die Klischees des eigenen Genres wie auch gegen die gängigen Herrschaftsnormen werden.

Auch in The Big Bird Cage verfällt Jack Hill bei der Inszenierung von Sex und Gewalt nie in einen reinen Zeige-Gestus, wir sind hingegen als Betrachter hierbei immer mit und bei den Figuren, die Ermächtigung ist hier nicht die Ermächtigung des Zuschauers über den voyeuristischen und damit beherrschenden, männlichen Blick, und schon garnicht ist sie belehrend, sie ist stets ein Angebot an uns, mit diesen Figuren gemeinsam zu rebellieren, sogar noch gegen unsere eigenen Erwartungen und dabei so – vermeintlich – unverrückbaren Sicherheiten – “What a blow for freedom… Sounds cool, man”, möchte man da mit Sid Haig aus dem Film nur ausrufen.

Dann verließ Jack Hill Roger Cormans New World Pictures und drehte als Erfolgsregisseur für die American International Pictures zwei Filme, die man heute mit Fug und Recht als zwei der wichtigsten Werke des Black cinema bezeichnen kann, Coffy von 1973 und Foxy Brown von 1974, machte damit Pam Grier zum femininen Action-Star und zugleich zur Ikone der Black self-determination und des Female sexual empowerment. Im August 1975 erschien Pam Grier dann auch als erste schwarze Frau überhaupt auf dem Cover des feministischen “Ms. Magazine”.

Pam Grier selbst sagte Ende der 90er, das Blaxploitation-Kino der 70er – insgesamt etwa 200 schwarze Action-, Horrorfilme und Komödien, die auf dem Höhepunkt der Ära zwischen 1971 and 1976 erschienen sind – wäre eine “Belohnung” für den Aufbruch und die Befreiung der 60er Jahre gewesen. Eine Belohnung war dieses auch für Produktionsfirmen wie die American International Pictures. “Konnte man das Budget unter $ 1 Million halten”, so Jack Hill, “dann garantierte allein das schwarze Publikum schon einen Gewinn.” Jack Hills beiden Beiträge zur Blaxploitation-Welle Coffy und Foxy Brown waren extrem erfolgreich – Coffy erreichte sogar kurzzeitig Platz 1 der US-Kino-Charts –, action-geladen, roh und gewalttätig, rasant, sexy, vordergündig vermeintlich einfach Rache-Geschichten, mit aufregenden Funk’n’Soul-Soundtracks von Roy Ayers und Willie Hutch versehen, kombiniert mit dem ruppig gezeichneten Alltag der schwarzen Bevölkerung aus Ausbeutung, rassistischer Unterdrückung, Drogen und Kleinkriminalität, korrupter Polizei und Machismo. Aus der Bürgerrechtsbewegung der späten fünfziger Jahre und der zum Teil gewalttätigen Reaktion hierauf in den Sechzigern, wurde so das Blaxploitation-Kino, das sich nicht um politische Korrektheit kümmerte und dabei sogar mit dem Black power movement in den Clinch geriet. Aus diesem gründete sich schon bald eine “Coalition Against Blaxploitation“ und das Auto Richard Zimberts – damals Vize-Präsident der American International Pictures – ging auf dem Parkplatz der Firma in Flammen auf.

Während das Exploitation-Muster von Coffy natürlich noch an Michael Winners Ein Mann sieht rot erinnert, erschöpft sich die Erzählung, die Ästhetik und vor allem die Figur Pam Griers keineswegs in einem solchen Selbstjustizdrama. “Coffy”, das ist nicht nur eine Frau, die den allgegenwärtigen Sexismus für ihre Zwecke (und ihr Vergnügen) einsetzt und einfach gegen die schwarzen wie weißen Männer kehrt, sie ist auch eine Frau, die – bei aller Würde und Stärke –, ebenso erstaunlich viel Selbstzweifel, Schwächen, Unzulänglichkeiten zeigt, die tatsächlich um eine höhere Moral ringt. “Coffy” ist eine komplexere Figur, als es zunächst scheint und auch seinerzeit von der Kritik wahrgenommen wurde, insbesondere, wenn man bedenkt, dass der Kampf um Selbstbestimmung vor allem bei der Black Panther Party, aber auch in weiten Teilen des Black power movement, seinerzeit zumeist reine Männersache gewesen ist.

Gerade in der Unbedarftheit und Direktheit seines Exploitation-Musters, transportiert von der überwältigenden Präsenz Pam Griers, ist Coffy beinahe schon weiter, als so mancher politisch korrekte Film es noch heute vorgibt zu sein. Er erhebt nicht einfach nur einen Anspruch auf schwarze Selbstbestimmung, er führt sie einfach aus, zeigt dabei auch unverholen den Sexismus und Opportunismus wie die Gewalt in der eigenen Community. Es ist ein Film für Schwarze, der nicht nur behauptet, ein Film für Schwarze zu sein, sondern der es einfach ist.  Und die Self-determination Pam Griers macht Coffy zwar noch nicht zu einem voll entwickelten Ausdruck des Black feminism, weist aber schon eindeutig darauf hin. Vor allem aber ist Coffy ein ästhetisch beeindruckender Film der Würde und des Stolzes – des Black pride –, auch formal überzeugend und erstaunlich stilsicher, in seiner Inszenierung, seiner rasanten Montage, auch in seinen kleineren Momenten und Eindrücken, die Jack Hill immer wieder herauszuheben versteht. Beispielsweise die Narration des Films einfach anzuhalten, um sich ganz der Inszenierung Pam Griers hinzugeben, begleitet von einem kompletten Funk’n’Soul-Song Roy Ayers’, dieses Stilelement hat nicht etwa Quentin Tarantino erfunden, es findet sich bereits in Coffy vollständig entwickelt und beeindruckend ausgeführt (von Roy Ayers Soundtrack hat sich Tarantino für Jackie Brown dann auch reichlich bedient). Für die sehr eindringliche Schlußszene zwischen Pam Grier und Booker Bradshaw hat sich Jack Hill zudem Shakespeare zum Vorbild genommen, nicht ungewöhnlich für viele seine Filme, sie ist direkt aus „Richard III.“ entlehnt.

Weiterlesen

Hits: 162

THE STUDENT NURSES (1970) von Stephanie Rothman

The Student Nurses (Stephanie Rothman, 1970)

„Roger Corman, der seine politische Haltung selbst einmal als ‚liberal bis radikal’ beschrieben hat, hatte zu Beginn der siebziger Jahre mit ‚New World Pictures’ und Filmen wie Big Doll House (Jack Hill, 1971) eine neue Exploitation-Erfolgsformel etabliert, ‘Filme’, so Corman‚ ‘die aus einer Formel Gestalt annahmen, nach der ich bereits seit einiger Zeit gearbeitet hatte: in der Jetzt-Zeit angesiedelte Geschichten aus einem liberalen bis politisch linken Blickwinkel mit etwas ‘R-rated’-Sex (ab 17) sowie Humor. Aber es sollten keine Komödien sein. Ich bezweifle ganz ehrlich, dass die linke Gesinnung oder Botschaft für den Erfolg der Filme, die wir machen wollten, entscheidend gewesen ist, aber es war für die Filmemacher und für mich selbst wichtig, dass wir mit diesen Filmen auch etwas zu sagen hatten’“ (aus meiner Besprechung von Black Mama, White Mama).

The Student Nurses

Während Big Doll House einen ganzen Zyklus von Woman in Prison-Filmen ins Leben rief, folgten Stephanie Rothmans The Student Nurses eine ganze Reihe von „Three-girl-movies“ (oft waren es auch vier), in denen eine Gruppe junger, gutaussehender Frauen als auszubildende Krankenschwestern, Lehrerinnen, Stewardessen oder Models ihre Abenteuer zwischen persönlichen und politischen Problemen der Zeit und Female sexual empowerment erlebten: Private Duty Nurses (George Armitage, 1971), Night Call Nurses (Jonathan Kaplan, 1972), The Young Nurses (Clint Kimbrough, 1973), The Student Teachers (Jonathan Kaplan, 1973), Fly Me (Cirio H. Santiago, 1973), Candy Stripe Nurses (Alan Holleb, 1974), Summer School Teachers (Barbara Peeters, 1974) und Cover Girl Models (Cirio H. Santiago, 1975). Waren diese Filme auch kommerziell extrem erfolgreich, so schwankten sie doch in der Qualität erheblich, da Corman seinen Nachwuchsautoren und –Regisseuren in der Regel freie Hand ließ – nach Jonatahn Kaplan lautete seine einzige Vorgabe: “Ich will Nacktheit vom Bauch aufwärts, vollständige Nacktheit von Hinten, keine Schambehaarung zeigen – an die Arbeit!”

Brioni Farrell

Summer School Teachers – Drehbuch und Regie von Barbara Peeters – hielt Roger Corman dabei selbst für den Film mit dem stärksten Statement für das Female Empowerment der „New World Pictures“, für Quentin Tarantino war dies Jonathan Kaplans Night Call Nurses, für ihn ein „klassischer Mix aus Sex, Nacktheit und politischer Bewusstheit.“ Beide Filme wurden – ebenso wie The Young Nurses, Candy Stripe Nurses und The Student Teachers – von Roger Cormans Ehefrau Julie Corman produziert. “Roger hat”, so jedenfalls die Regisseurin Linda Shayne, “mehr Frauen für leitende Positionen gefördert, als wahrscheinlich jeder andere Person, die mir bekannt ist.” Hierzu zählte auch Stephanie Rothman, jüdischer Abstammung und 1936 geboren, die erste Frau überhaupt, die ein Stipendium von der “Directors Guild of America” erhielt. Rothman, die 1964 als Assistentin für Corman begonnen hatte, erzählte 2010 im Austin Chronicle über ihre Arbeit an The Student Nurses: “Zu Beginn habe ich noch nicht einmal gewusst, dass ich Exploitation-Filme gemacht habe. Ich habe von dem Begriff zum ersten Mal in einer Kritik zu The Student Nurses gehört. Ich habe einfach gedacht, ich mache Low-Budget-Genre-Filme. Aber, wie immer man das, was ich gemacht habe, auch genannt hat, so hat es mich doch irritiert, dass viele Filme aus dieser Zeit, welches Budget sie auch immer gehabt hatten, in vielem so unehrlich gewesen sind, von ihrem Umgang mit Sexualität, bis hin zum Umgang mit sozialen Konflikten.”

The Student Nurses

Stephanie Rothman, die Roger Corman “den einzigen Mentor, den ich jemals hatte” nannte, erzählte rückblickend auch von den Möglichkeiten, die das (S)Exploitation-Genre ihr boten sowie von den Freiheiten, die Corman seinen Regisseuren ließ, solange sie die kommerziell erfolgreichen Formeln der “New World Pictures” bedienten: “Da ich nicht wusste, wie lange ich überhaupt Filme, welcher Art auch immer, machen konnte, habe ich mich entschlossen, zu sagen, was ich wollte, solange ich die Chance dazu erhielt, statt nur auf Nummer Sicher zu gehen. Die Leute haben registriert…, dass in meinen Filmen Frauen in ihrem Denken und Handeln unabhängig sind. Ich denke, dies fiel vor allem deshalb auf, da die Rollen, die für Frauen in dieser Zeit für gewöhnlich geschrieben wurden, diese auf abhängige Personen reduzierten. Es war in der Tat meine Absicht, dies in meinen Filmen anders zu machen. Ich wollte etwas erschaffen, das ich auch in der wirklichen Welt sehen wollte, gleichberechtigtere Geschlechterrollen, einfach ein Machtgleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Darum auch sind in einigen Szenen die Männer ebenso nackt, wie die Frauen, was seinerzeit definitiv nicht die Regel gewesen ist. Aber, ich wollte die Unabhängigkeit der Frauen bis zu einem Punkt treiben, an dem der Sinn und Zweck ihres Lebens nicht mehr nur im Heiraten besteht. Einige Frauen haben so in den 70ern bereits gelebt, aber damals war dies im Leben wie im Film noch eine neuere Vorstellung, als sie es heute ist.”

Weiterlesen

Hits: 200

BIG DOLL HOUSE (1971) von Jack Hill

Big Doll House (Jack Hill, 1971)

In der 1998 bei Metzler erschienenen „Geschichte des internationalen Films“ heißt es kurz und knapp: „Es gibt im Hollywood der 70er und 80er Jahre kaum einen Filmschaffenden, der seine ersten kommerziellen Arbeiten nicht unter der Obhut Roger Cormans realisierte.“ Die Liste der Regisseure, Autoren und Produzenten, die Roger Corman ihre ersten Arbeiten zu verdanken haben, liest sich in der Tat beeindruckend: Allan Arkush, Peter Bogdanovich, Barbara Peeters, James Cameron, Barbara Boyle, Francis Ford Coppola, Joe Dante, Stephanie Rothman, Jonathan Demme, Monte Hellman, Jack Hill, Dennis Hopper, Ron Howard, Gale Ann Hurd, Martin Scorsese, Jonathan Kaplan, Frances Doel, Robert Towne, etc. Jack Hill ist in dieser Riege die absolute Ausnahme, der einzige – vielleicht mit Ausnahme von Barbara Peeters -, der seine Karriere als Regisseur kommerziell erfolgreicher Exploitation-Filme bei Corman begonnen und ebenso wieder beendet hat.

Hill drehte mit Big Doll House einen der ersten Kassen-Hits für Cormans “New World Pictures” und mit Sorceress (Die Mächte des Lichts, “Brian Stuart”, 1982) ebenso einen der letzten, beendete hiernach seine Karriere als Regisseur und ging mit Corman im Streit auseinander. Cormans Produzenten-Credo der Förderung junger Talente (“Für mich das Geld, für Dich die Karriere”), es schien ausgerechnet bei Jack Hill nicht aufzugehen. Obwohl das Schwert und Sandalen-Epos Sorceress tatsächlich noch einer der letzten kommerziellen Erfolge von Cormans “New World Pictures” wurde – der Film spielte mit $4 Millionen das Vierfache seines Budgets ein -, brach Corman hierbei sein gewohntes Versprechen, den Regisseur den bestmöglichen Film auch unter schwierigsten Produktionsbedingungen machen zu lassen. Wegen des aufkommenden Video-Marktes und des Kollaps der Drive-In-Kinos erheblich unter finanziellen Druck geraten (1983 verkaufte Corman die Firma dann auch für $16,5 Millionen an die Hollywood-Anwälte Larry Kupin, Harry E. Sloan und Larry A. Thompson), ließ Corman den Film in Panik um eine halbe Stunde zusammenschneiden, mit kostengünstiger, amateurhafter Musik und mit nicht weniger amateurhaften Overdubs versehen. Da auch die Special Effects bei weitem nicht die von Corman zugesagte Qualität erreichten, zog Jack Hill seinen Namen von Sorceress – einer der allerersten Filme, der vom Erfolg von Conan the Barbarian (Conan der Barbar, John Milius, 1982) profitierte – zurück und ließ ihn durch das Pseudonym “Brian Stuart” ersetzen.

Sorceress (Die Mächte des Lichts, “Brian Stuart”, 1982)

Wie Sorceress unter günstigeren Umständen geworden wäre, lässt sich naturgemäß nicht sagen – die in der Tat katastrophalen Production Values machen den Film bestenfalls zu einer Skurrilität -, jedenfalls blieb Jack Hill zumindest bei der Story seiner Sichtweise eines Female sexual empowerment treu und machte aus der Helden-Rolle Arnold Schwarzeneggers in Conan the Barbarian gleich zwei Frauenrollen, gespielt von den Zwillingen Leigh und Lynette Harris (die zuvor gleich zweimal im “Playboy” waren).

Das Ende von Jack Hills Karriere hätte jedenfalls nicht enttäuschender ausfallen können. Darüber, warum er es im Gegensatz zu so vielen anderen Corman-Schülern nicht zu höher budgetierten Filmen und größerem Erfolg geschafft hat, hat Jack Hill selbst eine Theorie: “In Gedanken hatte ich immer einen Verdacht: Den Anderen, die für ihn Regie geführt haben, hat er immer auch Stars zur Verfügung gestellt, für mich hat er dies jedoch nie getan. Der Verdacht kam mir nach Big Doll House, dass er entweder glaubte, ich sei gut genug, um einen Film auch ohne Stars zum Erfolg zu führen, oder dass er einfach Angst hatte. Ich hatte immer den Verdacht, dass es so etwas wie Eifersucht gewesen ist, dass er zwar wollte, dass ich Erfolg hatte, doch eben nicht zuviel. Das ist mein Verdacht, aber vielleicht ist es auch nur Einbildung. Ich weiß es nicht.”

Big Doll House: Pam Grier und Kathryn Loder

Big Doll House jedenfalls garantierte den kommerziell erfolgreichen Start von Roger Cormans neuer eigener Produktionsfirma “New World Pictures” zusammen mit The Student Nurses (Stephanie Rothman, 1970) im Alleingang. Während The Student Nurses nach Cormans eigenen Angaben in drei Wochen für $150.000 gedreht wurde, entstand Big Doll House – für den Corman Jack Hill einsetzte, nachdem Rothman abgelehnt hatte – auf den Philippinen für $125.000 und spielte nach dem Branchenblatt “Boxoffice” nicht weniger als $10 Millionen (inkl. Auslandsvermarktung) ein. Big Doll House begründete, obwohl nicht der erste Woman in Prison-Film in dieser Periode – Jess Francos 99 Women (Der heiße Tod) mit Maria Schell und Herbert Lom entstand bereits 1969 und bewies, dass es einen Markt für solche Filme gab -, das gesamte Genre und einen ganzen Zyklus von Filmen, von Jack Hills eigenem Sequel The Big Bird Cage (1972), bis hin zu Filmen wie Caged Heat (Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen, Jonathan Demme, 1974) oder Ilsa, She Wolf of the SS (Die Hündin von Liebeslager 7, Don Edmonds, 1974).

Ähnlich wie Stephanie Rothman mit The Student Nurses für den Nurseploitation-Film, so definierte auch Jack Hill mit Big Doll House für den Woman in Prison-Film dabei die Formeln des Genres, das in der Folge, gemäß den ungeschriebenen Gesetzen des Exploitation-Films, von Film zu Film in der Sex- und Gewaltdarstellung expliziter, voyeuristischer und zugleich formelhafter wurde. Jack Hills Film selbst allerdings verweigert sich dem voyeristischen Blick, zeigt uns Sex und Gewalt stets über das Empfinden und aus der Sicht der Charaktere vermittelt, deutet dabei erstaunlich viel nur an, und bereits mit dem darauffolgenden The Big Bird Cage bricht der Regisseur die eigene Exploitation-Formel dann endgültig vollständig auf und betreibt ein anarchisch-humorvolles Spiel mit Genre-Klischees, die er sämtlich in ihr eigenes Gegenteil verkehrt. Hills Inszenierung folgt dabei genau den Regeln, die sein Mentor Roger Corman seinen jungen Regisseuren immer nahegebracht hat, wie Jonathan Kaplan erzählt: “Frage dich immer, wenn du dich einer Szene annähern willst: Wessen Standpunkt soll die Szene vermitteln? Über wen handelt die Szene? Welche Charaktere sind von dieser Szene berührt? In wessen Kopf willst du, dass darin der Zuschauer seinen Platz einnimmt?… Die Art und Weise, in der ein Charakter die Welt sieht, ist auch die Art und Weise, in der der Zuschauer die Welt sieht.”

Big Doll House: Judith Brown

Weiterlesen

Hits: 287

1 2 3 10