TEENAGE DOLL (1957) von ROGER CORMAN

Außerhalb der deutschen Filmkultur, die doch sehr von der kritiklosen Übernahme des kommerziellen Hollywood-Unterhaltungskinos auf der einen und der Überhöhung des arthouse-Kinos auf der anderen Seite, sowie von einer sehr eingeengten Wahrnehmung eines Genrefandoms geprägt ist, ist es nichts Ungewöhnliches, wenn auf der Suche nach Cormans vielleicht bestem Film sehr schnell TEENAGE DOLL genannt wird. John Waters zählt diesen zu seinen Lieblings-Filmen, Jack Hills – von Quentin Tarantino wiederentdeckter – SWITCHBLADE SISTERS von 1975, geradezu ein underground-Manifest eines radikalen female empowerment, schließt vielfältig daran an und Tarantino selbst widmete 2007 seinen GRINDHOUSE: DEATH PROOF dessen Drehbuchautor Charles B. Griffith. TEENAGE DOLL ist einer jener Filme, die einfach nicht einzuordnen sind, irgendwo angesiedelt zwischen den juvenile delinquency-Dramen der AIP, einem film noir – tatsächlich ist der Film vollständig bei Nacht gedreht und wird von Arthur Lyons auch zu diesem gezählt [1] -, den midnight movies John Waters’ (und anderer) und dem underground-Kino eines Kenneth Anger, ging er seinerzeit in der Flut der Teenager-Filme in den Auto-Kinos unter. Larry Woolner hatte 1956 Elia Kazans Warner-Hit BABY DOLL gesehen und Corman den Titel für ein juvenile delinquency-Drama vorgeschlagen, der den Film schließlich für $70.000 in zehn Tagen drehte – zuzüglich eines Wochenendes, in dem Griffith das gesamte Drehbuch überarbeiten musste. Die MPPDA („Motion Picture Producers and Distributors Association of America”) lehnte den ursprünglichen Drehbuch-Entwurf als mit dem Hays Code unvereinbar vollständig ab, wie Griffith erzählt:

Colette Jackson und Sandra Smith

“In der Originalversion stahlen die Mädchen Waffen oder machten sich ihre Waffen selbst, um damit das ‘Good Girl’ zu töten. Das waren die interessantesten Szenen. Ich schrieb alles auf Englisch, es sollte dann aber Spanisch gesprochen werden. Roger rief hierfür den einzigen spanischen Agenten, den es gab, an und tatsächlich stellte sich heraus, dass dies die besten Schauspielerinnen in dem Film waren. Aber nun waren diese die ganze Zeit nur im Hintergrund! Eines dieser mexikanischen Mädchen hätte eine Kartoffelgranate gemacht, indem sie an einem Ende einen Kartoffelschäler und um die Kartoffel herum Rasierklingen gesteckt hätte. So konnte sie einfach den Griff umdrehen und mit der Granate auf jemanden werfen. Das wäre ihre Waffe gewesen, um das Mädchen zu töten. Aber das Hays Office ließ mich diese Dinge ändern…. Ich meine wirklich abscheulich und dumm. Alles musste quasi über Nacht geändert werden“ [2].

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A BUCKET OF BLOOD (Das Vermächtnis des Prof. Bondi, 1959) von ROGER CORMAN als Mediabook erschienen

 

 

 

Am 30. Juli 2020 ist Roger Cormans Beatnik-Farce A BUCKET OF BLOOD (Das Vermächtnis des Prof. Bondi, 1959) mit Dick Miller im Mediabook auf Blu-ray/DVD bei Koch Films erschienen. Eine weltweite Referenz-Veröffentlichung, die zudem noch Elijah Drenners Dokumentation THAT GUY DICK MILLER enthält. Koch Films veröffentlicht ebenso meinen Audiokommentar (gemeinsam mit Christian Kessler) für die Deutsche Kinofassung (Anolis, Galerie des Grauens 2, 2009) neu, für die der Mercator-Filmverleih (Bielefeld) eigens zusätzliche Szenen gedreht hat.

“Klassengegensätze sind ökonomische Interessengegensätze und lassen sich daher auch nicht moralisch auflösen (TEENAGE DOLL), ebenso wenig, wie die oktroyierte Erfahrung der eigenen sexuellen Identität als eine abnorme (SORORITY GIRL). Roger Cormans Kino der Rebellion des Unmittelbaren bringt die entstehenden Risse in der bürgerlichen Ordnung für die Generation der baby boomer zum Ausdruck, bietet ihnen aber bewusst keine bürgerlichen Auswege an. Die Rebellion des Bohemien hingegen ist eine andere, eine der (Möchtegern-)Künstler, -Poeten, -Maler und -Musiker innerhalb des Bürgertums. Für „Walter Paisley“, den etwas schlichten Kellner aus der Unterschicht in dem Beatnik-Schuppen in A BUCKET OF BLOOD, erweist sich diese Rebellion dann auch als eine Farce, die konsequenterweise zu seiner Ausbeutung führt und in seinen Selbstmord mündet. Cormans von Charles B. Griffith geschriebene Horror-Komödien – A BUCKET OF BLOOD und CREATURE FROM THE HAUNTED SEA – mögen ebenso billig, wie leicht und irrwitzig skizziert sein, in Wirklichkeit sind sie von dem beißenden Nihilismus von THE WILD ANGELS nicht mehr allzu weit entfernt” (Robert Zion: Roger Corman – Die Rebellion des Unmittelbaren, Werkausgabe, Band 1, 2023).

Das Mediabook enthält folgende Extras:

 

  • Audiokommentar zur dt. Kinofassung von Robert Zion und Christian Kessler
  • Super-8-Fassung (ca. 8 Minuten)
  • Interview mit Dick Miller und Lainie Miller (ca. 12 Minuten)
  • Interview mit Roger Corman (ca. 8 Minuten)
  • Audiointerview mit Charles B. Griffith (ca. 20 Minuten)
  • Deutscher und englischer Trailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • 20-seitiges Booklet von Oliver Nöding
  • Dokumentation THAT GUY DICK MILLER von Elijah Drenner (2014)

 

Technische Daten:
Bild
: 1.85:1 (16:9) / Schwarzweiß (Hauptfilm)/Farbe (Dokumentation)
Laufzeit: ca. 75 Minuten (Hauptfilm, dt. Kinofassung)/ ca. 66 Minuten (Hauptfilm, US-Fassung)/ca. 92 Minuten (Dokumentation)
Ton Hauptfilm: Deutsch, Englisch (Blu-ray: PCM 2.0/DVD: Dolby Digital 2.0)
Ton Dokumentation: Englisch
Untertitel Dokumentation: Deutsch

Nicht mehr lieferbar

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