Buchankündigung: HOLLYWOOD UND DIE KUNST DES B-FILMS

Seit ihrer späten Würdigung durch Kritiker und Filmemacher der Nouvelle Vague und New Hollywoods gelten sie als Filmemacher, die den B-Film Hollywoods zur Kunst erhoben haben: ALLAN DWAN, JOSEPH H. LEWIS, EDGAR G. ULMER, JACQUES TOURNEUR, BUDD BOETTICHER und ANDRÉ DE TOTH. Es waren Individualisten oder Außenseiter, Pioniere oder Weltenbummler, die durch ihre Kompromisslosigkeit und ihren Stilwillen selbst heute noch zu überraschen und zu begeistern vermögen.

ROBERT ZION stellt ihre Persönlichkeiten und ihre Filme vor, holt zudem weitere B-Film-Regisseure aus den Archiven und präsentiert somit erstmals ein Nachschlagewerk mit insgesamt 40 Regisseuren und 105 B-Filmen, von den Anfängen der Traumfabrik bis zum Ende New Hollywoods, von Kult-Klassikern bis zu Geheimtipps.

Seine Wiederentdeckungen umfassen den engagierten Großstadtthriller im semidokumentarischen Stil der 50er- oder als Blaxploitation der 70er-Jahre, existenzialistisches Kino als schonungslos realistischer Kriegsfilm oder querstehender Western, beißende Gesellschaftskritik als kluge Science Fiction oder erschütterndes Sozialdrama, Frauenpower als erotisch-romantisches Abenteuer oder widerständige Exploitation, finstere Abgründe im atmosphärischen Horrorfilm oder schäbigsten Film Noir.

Inhalt:

Vorwort: Die Kunst des B-Films

1. Kapitel: Die Schönheit der Gefühle in ALLAN DWAN

2. Kapitel: Vordergrund und Hintergrund nach JOSEPH H. LEWIS

3. Kapitel: EDGAR G. ULMER und der Blick in den Abgrund

4. Kapitel: Mit JACQUES TOURNEUR bei Einbruch der Dunkelheit

5. Kapitel: BUDD BOETTICHER über den Wert des Menschen

6. Kapitel: Die Natur und der Mensch nach ANDRÉ DE TOTH

Supplement: Weitere B-Film-Regisseure

Jack Arnold, Jack Bernhard, William Castle, Walter Colmes, Roger Corman, John Cromwell, Felix E. Feist, Lewis R. Foster, Samuel Fuller, William Girdler, Byron Haskin, Monte Hellman, Jack Hill, Ned Hochman, Phil Karlson, Lew Landers, Edward Ludwig, Ida Lupino, Anthony Mann, Michael Miller, Joseph M. Newman, William Nigh, Arch Oboler, Barbara Peeters, Nicholas Ray, Mark Robson, Stephanie Rothman, Sidney Salkow, Fred F. Sears, John Sherwood, Ted Tetzlaff, Frank Wisbar, Robert Wise, William Witney

Index der Filme, Personen und Produktionsfirmen

Vollständiges Inhaltsverzeichnis als PDF

 

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Krimkrieg in Technicolor – William Castles CHARGE OF THE LANCERS (1954)

Charge of the Lancers (Das Zigeunermädchen von Sebastopol, William Castle, 1954)

Die meißten der Abenteuer-, Western- und Historienfilme, die Bill Castle Anfang bis Mitte der 50er Jahre für Sam Katzmans B-Picture-Abteilung der Columbia drehte, enthielten Elemente des Kriegsfilms, doch ist Charge of the Lancers davon tatsächlich der einzige reine Kriegsfilm. Der Film handelt vom Krim-Krieg (1853-1856) zwischen dem russischen Zarenreich und dem osmanischen Reich und den mit diesem verbündeten Briten und Franzosen. Robert E. Kents – wie fast immer – sehr schematisches Drehbuch greift dabei einige historische Fakten auf und bettet diese in eine Liebes- und Abenteuergeschichte um einen Helden ein (hier: Jean-Pierre Aumont), dem es schließlich mittels einer Kriegslist gelingt, die Bastion des Gegners zu erobern. Ein Schema, nach dem etwa auch Bill Castles Slaves of Babylon (1953), The Iron Glove (Der Kuß und das Schwert, 1954) oder The Saracen Blade (Der Empörer, 1954) funktionieren.


Sebastopol als Matte Painting

Hier ist es der Kampf um die russische Festung Sebastopol, die als erste Materialschlacht der Militärgeschichte gilt. Der Film ist dabei ein wilder Mischmasch aus Historischem und Legendärem, aus dem, was seinerzeit im Sudiosystem Hollywoods beim Publikum als bekannt vorausgesetzt wurde. Dazu zählte nicht nur der Ruf des Krim-Krieges als erster “moderner” Krieg mit seinen Materialschlachten und Schützengräben und die dabei zutage tretenden Unzulänglichkeiten des Sanitätswesens (das hiernach im britischen Militär grundlegend reformiert wurde), oder die kriegswichtige Bedeutung der neuen Telegrafentechnik, sondern vor allem die Legende eines vermeintlich “heldenhaften”, dabei aber äußerst verlustreichen und durch einen Kommunikationsfehler eingeleiteten Angriffs der leichten britischen Kavallerie (Ulanen und Husaren) auf eine russische Artilleriestellung in der Schlacht von Balaklawa (25. Oktober 1854). Charge of the Lancers ist dabei näher an Michael Curtiz’ Heldensaga mit Errol Flynn The Charge of the Light Brigade (Der Verrat des Surat Khan/Die Attacke der Leichten Brigade, 1936), als an der späteren und historisch weit akkurateren britischen Produktion The Charge of the Light Brigade (Der Angriff der leichten Brigade, Tony Richardson, 1968).


Sanitätswesen und Verrat: Karin Booth in Charge of the Lancers

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