SCARLET STREET (Straße der Versuchung, 1945) von FRITZ LANG

Fritz Lang vertrat keineswegs die Ansicht, daß der Mensch allein von seinem „Schicksal” bestimmt sei, sondern meinte selbst, „daß dieses Schicksal nur eine folgerichtige Schlußerscheinung ist von dem, was der Mensch jeweilig getan hat.“[1] Seine Suche galt vielmehr den individuellen wie gesellschaftlichen Ursachen in einer deterministischen und zugleich kontingenten Welt, die dazu führen können, daß jemand im Sinne der griechischen Tragödie „schuldlos schuldig” (S. 24) wird: in der Psyche, den Beziehungen, im Begehren und im Wesen des Menschen, in gesellschaftlichen oder politischen Konventionen und Institutionen, selbst in materiellen Dingen (Objektbeziehungen) und der Raumordnung[2] einer Gesellschaft.

Die konventionelle Erzählform eines Hollywoodfilms, von Cornelius Schnauber „Dreischnitt-Dramaturgie“[3] genannt, lehnte Lang dementsprechend ab: Geordneter Zustand – Entfremdung hiervon und moralische Konflikte – Rückkehr zur inneren und äußeren Ordnung und Tugend. Es ist dies „die vereinfachte Lessing’sche Katharsis-Dramaturgie“[4], auf der die Erzählformen Hollywoods letztlich beruhen. Doch die Dramentheorie Gotthold Ephraim Lessings war bereits eine christliche Auslegung („Barmherzigkeit“, „Tugend“) der griechischen Tragödie, die sich entsprechend im „amerikanischen Calvinismus“ Hollywoods wiederfand, „der als Grundphilosphie des ‚American way of life’ sogar Katholiken wie Hays[5] erfaßt hatte.“[6]

Das Kino Fritz Langs hingegen entspricht der vorchristlichen, klassischen Tragödiendefinition des Aristoteles: Der Mensch „erleidet“ (συμπαθεῖν), im Sinne eines passiven Affiziertwerdens, eine Einwirkung von außen. Die „Betrübnis“ (λύπη) über ein solch „unverdientes“ (ἀναξίου) Übel, welches ebenso uns selbst zuteilwerden könnte, erzeugt dann eine gewisse Identifikation mit dem Opfer. Der Betrachter der Tragödie wird vom Geschehen ergriffen, empfindet eine „Erschütterung“ (ταραχή), wenn er ahnt, welches Leid ihm selbst widerfahren könnte.[7] Während die „Katharsis“ (κάθαρσις) einer Tragödie nach Lessing (und des christlich geprägten Hollywood) darin bestehen soll, „Furcht“ zu erzeugen, um zur „Tugend“ zurückzuführen, soll sie nach Aristoteles[8] (und Fritz Lang) „Jammer“ (ἔλεος) und „Schauder“ (φόβος) über ein unverdientes Übel hervorrufen, das dem Menschen aufgrund seiner selbst und der Wirklichkeit der Welt widerfährt. Da sich aber unsere Gefühle (Affekte) auf die wirkliche Welt beziehen, erfahren wir diese dann, nach Aristoteles, in der Kunst als rational begreifbar.[9]

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I SAW WHAT YOU DID (Es geschah um 8 Uhr 30, 1965) von WILLIAM CASTLE auf Blu-ray

 

 

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten einen Anruf und jemand sagt zu Ihnen am Telefon: „Ich habe gesehen, was Sie getan haben, und ich weiß, wer sie sind!“

William Castles I SAW WHAT YOU DID (Es geschah um 8 UHR 30, 1965) mit Joan Crawford und John Ireland erscheint am 12. Nov. 2021 in der „Classic Chiller Collection“ des Magdeburger Labels „Ostalgica“ auf Blu-ray.

Der letzte große Film des „Gimmick-King“ William Castle, gedreht für die Universal International nach einer Romanvorlage von Ursula Curtiss („Der Spielverderber“), ist ein spannender Thriller und tatsächlich so etwas wie die Urvorlage des Teenager-Slashers. Ein Höhepunkt ist eine der interessantesten Reminiszenzen an die Duschmord-Szene aus Alfred Hitchcocks PSYCHO (1960).  „Kaum anzunehmen, dass Bill Castle seinen Suspense-Thriller auch noch im Smartphone-Zeitalter hätte drehen können, seiner Zeit ein wenig voraus war er dennoch schon. Auch wenn noch dreizehn Jahre vergehen sollten, bis John Carpenter mit seinem HALLOWEEN… die Welle des Teenager-Slasher-Films ins Rollen brachte, so sind bereits in Bill Castles Film alle Versatzstücke des Genres vorhanden: Die Teenager-Mädchen als Identifikations-Figuren, der ganz normale Bürger als Psycho-Killer, das unumgängliche Messer als Mordwerkzeug und die ganz auf Spannung ausgerichtete Handlung – und sogar ein wenig Blut. Doch muss den Massen von Kids, die weltweit in ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST… geströmt sind, ES GESCHAH UM 8 UHR 30, der sich von der Grundidee her durchaus mit diesem neueren Teenager-Horrorfilm vergleichen lässt, wie ein ganz großer Filmklassiker erscheinen. Denn gegenüber dem langweiligen Columbia-Hit der 90er-Jahre ist Castles Film fraglos der in jeder Beziehung bessere und vor allem spannendere“ (Robert Zion: William Castle oder Die Macht der Dunkelheit, 2000).

Der Film erscheint als Amaray im Pappschuber mit vielen hochwertigen Extras:

  • 16-seitiges Booklet mit einem Text von Robert Zion: “HABEN SIE GESEHEN, WAS WILLIAM CASTLE GETAN HAT (UND WISSEN SIE, WER ER IST)? – ‘1. Die Amazone’, ‘2. Quiche Lorraine’, ‘3. Telefonspiele’, ‘4. Kalte Dusche’“
  • Mit dem Remake TODESSPIELE (I SAW WHAT YOU DID, Regie: Fred Walton, 1987) mit Shawnee Smith, Robert und David Carradine auf der Blu-ray
  • Videokommentar von Lars Johansen
  • Deutscher Vorspann
  • Englischer Original-Teaser
  • Englischer Original-Trailer mit William Castle
  • Trailers from Hell mit Larry Karaszewski mit Untertiteln
  • Bildergalerie

 

Technische Daten:
Bild: 1.85:1 (1080p, 23.976, AVC) / Schwarzweiß
Laufzeit: 82 Min.
Ton: Deutsch, Englisch (beide: 1.0 Mono DTS HD Master Audio)
Untertitel: Deutsch, Englisch

Bei I-Catcher-Media bestellen

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THE NIGHT WALKER (Er kam nur nachts, 1964) von WILLIAM CASTLE auf Blu-ray/DVD

 

 

Am 13. November 2020 erscheint William Castles THE NIGHT WALKER (Er kam nur nachts, 1964) als Nr. 4 von “Der Fluch der Galerie des Grauens” von Anolis auf Blu-ray/DVD.

In einem sehr ausführlichen Booklet-Essay und dem Audiokommentar gehe ich u.a. auf die lange Karriere William Castles im Studiosystem Hollywoods, auf den Drehbuchautor Robert Bloch und den Filmkomponisten Vic Mizzy sowie auf die beiden Stars Barbara Stanwyck und Robert Taylor ein, vor allem aber auf diesen einmaligen Film, einen der skurrilsten, der jemals gedreht wurde: “THE NIGHT WALKER, irgendwo angesiedelt zwischen Alfred Hitchcock und Luis Buñuel, zwischen Kunst und camp, zwischen pulp und Film Noir, war mit seinen bizarren Bildern und vollkommen künstlichen und unwirklichen Atmosphäre der Entfremdung, mit seinen Puppengesichtern, schrägen Charakteren und überraschenden Wendungen, in der Tat seiner Zeit weit voraus. Ein surrealistisches Meisterwerk, eigenwillig, creepy und verstiegen, jenseits aller Regeln der Vernunft und der Filmtechnik, wahrscheinlich sogar der Film, der bis heute die irreale Logik des Traums am realsten eingefangen hat. THE NIGHT WALKER ist William Castles opus magnum” (Robert Zion: William Castle oder Die Macht der Dunkelheit, 2000).

THE NIGHT WALKER enthält folgende Extras:

 

  • 24-seitiges Booklet mit einem Text von Robert Zion: “Where did our love go…?”
  • Audiokommentar von Robert Zion (ca. 86 Min.)
  • Audiokommentar von Steve Haberman
  • Amerikanischer Kino-Trailer
  • Amerikanischer Radio-Spot
  • Deutsche Titelsequenz
  • Amerikanischer Werberatschlag
  • Filmprogramm
  • Bildergalerie

Technische Daten:

FSK: 16
Bild
: 1.85:1 (16:9)
Laufzeit: 86 Minuten (BD/24 fps)/82 Minuten (DVD/25 fps)
Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD 2.0 Mono)
Untertitel: Deutsch

Nicht mehr lieferbar [Booklet als PDF]

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Joseph L. Mankiewicz’ DRAGONWYCK (Weisser Oleander, 1946) mit VINCENT PRICE

Connecticut, Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Familie des tiefgläubigen Farmers Ephraim Wells (Walter Huston) erhält einen Brief von dem Lehnsherren Nicholas Van Ryn (Vincent Price), einem entfernten Verwandten, in dem dieser darum bittet, ihm eine von Wells’ Töchtern als Erzieherin seines Kindes in sein Herrenhaus Dragonwyck am Hudson River zu schicken. Nach einigem Zögern ihres Vaters darf schließlich Miranda (Gene Tierney), ein für die ihr unbekannte Welt des Adels schwärmendes Mädchen voller naiver Lebenslust, diese Reise antreten. Aber Miranda findet dort keineswegs die von ihr erwartete glitzernde Welt des Adels vor. In dem protzigen Dragonwyck residiert Van Ryns verfressene und verunsicherte Frau Johanna (Vivienne Osborne). Unter einer Fassade höflicher Umgangsformen verbergen sich ein untergründiger familiärer Hass und tödliche Langeweile, nur mühsam kaschiert von der unvergleichlichen Arroganz Van Ryns und einem verzweifelten Festhalten an starren Konventionen.

Eine beklemmende Atmosphäre, die sich in den tieftraurigen Augen von Van Ryns Tochter Katrina (Connie Marshall) widerspiegelt.

Überdies beginnen die Farmer unter der Führung des jungen Arztes Dr. Turner (Glenn Langan) gegen ihren Lehnsherren zu rebellieren. Obwohl der Aufstand der Farmer gegen das Pachtgesetz sich ausweitet, besteht Van Ryn auf sein auf das Jahr 1630 zurückgehendes “verbrieftes Recht” als Patron. Doch der Kampf um die Besitzrechte des Landes wird von der familiären Tragödie überschattet: Während Johanna mit einer Erkältung im Bett liegt, stellt ihr Van Ryn in vermeintlich fürsorglicher Absicht einen Oleanderbaum in das Schlafzimmer. Als sie am darauffolgenden Tag stirbt, steht der von Van Ryn eigens konsultierte Dr. Turner vor einem Rätsel. Schon bald nach dem plötzlichen Tod seiner Frau gesteht der Patron der verwirrten Miranda seine Liebe – und auch, dass Johanna nach der Geburt ihrer Tochter keine Kinder mehr bekommen konnte (“Es traf mich wie ein Todesurteil, dass Dragonwyck keine männlichen Erben haben sollte”). Kurz vor der Rückkehr zu ihrer Familie wird auch Dr. Turners Antrag von Miranda abgewiesen.

Nachdem Miranda nach Connecticut zurückgekehrt ist, tauch schon bald Van Ryn auf und hält um die Hand des jungen Mädchens an. Die beiden heiraten – dem jungen Glück scheint nichts mehr im Wege zu stehen.

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