William Castles WHEN STRANGERS MARRY (1944)

When Strangers Marry/Betrayed (Heirate niemals einen Fremden, William Castle, 1944)

Der lange und beschwerliche Weg eine B-Film-Regisseurs

Es war im Studiosystem gang und gäbe, dass die Studios ihre Mitarbeiter von Zeit zu Zeit an andere Firmen ausliehen. Da die „Leihgebühr“ in der Regel höher war als die Gehälter, die die Studios ihren Festangestellten zahlten und die ausleihenden Studios die Differenz einstrichen, konnten sie selbst noch mit den Kontraktschauspielern und –regisseuren einen Profit einfahren, die im eigenen Studio gerade nicht gebraucht wurden. 1944 bekam Bill Castle bei der Columbia $100 die Woche, als die King-Brüder der Monogram $500 die Woche Leihgebühr für ihn boten – $100 für Castle, $400 für Cohn. Trotz des großen Erfolges mit The Whistler wollte sich King Cohn das nicht entgehen lassen. Bill Castle war entsetzt: Ausgerechnet die Monogram! Diese, 1937 gegründet, befand sich zwar zur Zeit mit einem Ausstoß von etwa 30 Filmen pro Jahr auf ihrem unbestrittenen Höhepunkt, doch waren diese Filme ausnahmslos 60 bis 70minütige, billige B-Pictures – in der Hauptsache action-orientierte Western, infantile Komödien und hanebüchene Horrorfilme -, die der Firma einen durchschnittlichen Profit von $1.932,12 pro Film einbrachten. Viel finanzieller Spielraum für ein wenig ambitioniertere Regisseure blieb da nicht. Nicht ganz so schäbig wie die Produktionen einiger anderer Poverty Row-Studios, etwa die der PRC oder der Academy-Pictures, aber auch weniger ambitioniert als die Filme der Republic, bildeten die Monogram-Filme die Masse des Füllprogramms des US-Kinos der 40er Jahre. Nachdem Jean-Luc Godard 1960 seinen À Bout de Souffle der Monogram gewidmet hatte, kam die Firma (1953 ging sie in ihrer eigenen Tochtergesellschaft Allied Artists auf) noch posthum zu unerwartetem Ruhm.

Monogram-Studios

 

Bill Castles erste Begegnung mit den King-Brüdern Hymie, Frank und Maurie, die die Firma gemeinsam leiteten, erinnert an eine Szene aus einem Film Noir. Es regnete in Strömen, als Hymie, der jüngste der King-Brüder, Castle um sieben Uhr morgens von Zuhause abholte und in das Büro der Monogram brachte. Vom Qualm seiner riesigen Zigarre eingehüllt, wartete dort bereits der dicke, kahlköpfige Frank mit seinem Bruder Maurie, der immer noch wie der Preisboxer aussah, der er einmal gewesen war. Ein vierter, etwas dürrer und bebrillter Mann saß schlafend in dem Raum, doch niemand dachte daran, diesen Bill Castle vorzustellen. Dann begann das Spiel. Frank: “Harry Cohn hat uns letzte Nacht The Whistler vorgeführt. Ein großer Film, stimmt’s, Maurie?“ Maurie nickte. „Hymie?“ fragte Frank. Hymie nickte. „Wir denken, ihre Regie ist großartig. Stimmt’s, Maurie?“ Maurie nickte. „Hymie?“ Hymie nickte. Castle bekam feierlich ein Drehbuch überreicht und wurde in ein leeres Zimmer geführt, wo er es lesen sollte. Das Script war eine Katastrophe. Als er zurückkehrte, herrschte eine tödliche Stille im Raum. Das Ganze glich einer Hinrichtung. Bill Castle: “’Frank… Maurie… Hymie…’ Alle Augen waren auf mich gerichtet. ‘Ich denke, dass das Drehbuch furchtbar ist’. Das Prasseln des Regens durchschnitt die Stille, als sich Frank wieder in den Stuhl setzte und den fallenden Regen beobachtete. Maurie zündete sich eine Zigarre an und steckte sich ein neues Kaugummi in den Mund. Hymie ging in das Badezimmer. Der bebrillte Fremde, immer noch in der Ecke sitzend, schlief… Frank sprang von seinem Sitz auf, ich dachte er würde mich nun verprügeln, aber stattdessen schüttelte er mir die Hand. ‚Hast du das gehört, Maurie? Bill mag das Drehbuch nicht. Und er hat recht… absolut recht. Es ist furchtbar’. Frank gab Hymie ein Zeichen, der den schlafenden Mann schüttelte. Gähnend öffnete der seine Augen. ‚Das ist Phil Yordan, Bill. Er ist Autor’“. Philip Yordan, der daraufhin das Script zu Bill Castles Monogram-Film schrieb, war ein ausgeschlafener Drehbuchautor. When Strangers Marry wurde eine kleine Perle, nicht nur einer der besten Filme Bill Castles überhaupt, sondern auch ein Prestigeobjekt der Monogram. Er war noch einmal davongekommen.

“The Boy Wonder” Orson Welles

 

Kein Geringerer als Orson Welles höchstpersönlich schrieb in seiner Kolumne im New Yorker Graphic über When Strangers Marry: „Er ist nicht so raffiniert wie Double Indemnity und nicht so brillant wie Laura, aber besser gespielt und von William Castle besser inszeniert als die beiden anderen“. Der Wunderjunge hatte öffentlich verlautbaren lassen, dass Bill Castle besser inszenieren konnte als Billy Wilder und Otto Preminger! Und im Time Magazine schrieb der Kritikerpapst James Agee, nachdem er When Strangers Marry über den grünen Klee gelobt hatte, dass allein Castle das Zeug dazu hätte, ganz Hollywood „auf den Kopf zu stellen“. (S. 34-38)

When Strangers Marry

Nach jenem denkwürdigen Abend im Büro der Monogram mit den King-Brüdern Hymie, Frank und Maurie fuhr Bill Castle mit Phil Yordan zu dessen Haus am Coldwater Canyon. „Das sind schon Typen, nicht wahr? Aber sie sind großartig. Unterschätze sie ja nicht, die wissen genau, was sie wollen“, meinte Yordan zu Castle. In der Tat hatten die King-Brüder exakte Vorstellungen davon, wie die Produktion ablaufen sollte: Zwei Wochen Vorproduktion (inklusive Drehbuchschreiben), sieben Tage Drehzeit, ein Budget von $50.000 und einen $1.000-Bonus für Castle, falls er diese Tortur bewältigen sollte. Rasch hatte er mit Phil Yordan eine Grundidee entwickelt, die George Moscov in eine schlüssiges Treatment verwandelte, und hatte Yordan zusammen mit Dennis J. Cooper das Drehbuch geschrieben. „Wir begannen mit dem Casting. Wir nannten den Film When Strangers Marry und entschlosssen uns dazu, um ihm einen frischen Look zu verleihen, verhältnismäßig unbekannte Schauspieler zu nehmen, die nicht wie solche aussahen. Eines Nachmittags, als ich vom Essen zurückkam, fand ich vor meinem Büro einen jungen Mann. Als ich eintrat, erhob er sich ziemlich unbeholfen. Ich forderte ihn auf, in mein Büro zu kommen. Er schien nervös und verlegen zu sein. ‚Entspannen sie sich’, meinte ich. ‚Wie ist ihre Name?’ ‚Robert Mitchum’“.

Robert Mitchum (um 1944)

 

Es gehörte zu den Eigenarten des Film Noir, dass seine männlichen Akteure nicht unbedingt großartige Darsteller sein mussten. Schauspielerei im eigentlichen Sinne hatte in ihm kein Platz. Nicht eine ausdrucksstarke Mimik oder eine naturalistische Darstellungsweise waren gefragt, sondern “Typen” mit markanten Gesichtern und einer physischen Präsenz, die in die Schattenwelt und den Stillstand dieser Filme passten, sich der Ausleuchtung, dem Dekor und dem Stil unterordneten. Sicher gab es bekanntere Schauspieler wie Humphrey Bogart, James Cagney, Dick Powell und vor allem den “Killer mit dem Engelsgesicht” Alan Ladd, die in der Schwarzen Serie großartige Rollen hatten, aber die eigntlichen Helden des Film Noir waren Newcomer, die später allesamt große Hollywood-Karrieren machen, aber dennoch nie wieder so brillante Auftritte wie hier haben sollten: Richard Widmark, Robert Mitchum, Burt Lancaster und Kirk Douglas. Es waren Figuren wie die Richard Widmarks, der in Henry Hathaways Kiss of Death (1947) mit einer geradezu genialen Subtilität den infantilen Killer Tom Udo gegeben hatte, die dem Film Noir seine darstellerische Einmaligkeit verliehen.

Der 1917 geborene Robert Mitchum war unter diesen Newcomern vielleicht der “Typ” der Schwarzen Serie, auch wenn er einmal – etwas süffisant – gesagt haben soll: “Filme langweilen mich, besonders meine eigenen”. Immer etwas steif und neben sich stehend, ja, zuweilen schläfrig bis katanonisch wirkend, gestaltete er seine Rollen dennoch sehr subtil und intelligent. Als Bob Mitchum in seiner typisch unbeholfen-trägen Art in Bill Castles Besetzungsbüro schlurfte, war er noch ein gänzlich unbeschriebenes Blatt – ein Zustand, der sich nach Castles Film schlagartig ändern sollte. Im Jahr darauf schaffte er mit William Wellmans The Story of GI Joe den großen Durchbruch. Aber seine unvergleichlichen Film Noir-Rollen – von Out of the Past (1947) über Night of the Hunter (1955) noch bis Michael Winners The Big Sleep (1978) – hatten ihre Wurzeln in When Strangers Marry.

Mit diesem Film wollte es Bill Castle nun allen zeigen, King Cohn, der ihn an die Monogram verkauft hatte, und den King-Brüdern, die sich mit ihrem Bretterstudio wie die großen Hollywood-Mogule aufspielten. Er entwickelte seinen düsteren Stil aus The Whistler weiter: “Ich wollte mit dem Film die ganze Melancholie ausdrücken, die einen ergreift, wenn man in einer fremden Stadt allein ist und in Schwierigkeiten gerät. Indem ich ein mattes, schales graues Licht verwendete, gelang es mir, den Film starr und erbarmungslos und die Handlung wie eine Dokumentation statt wie etwas eigens für die Kamera oder das Publikum Gespieltes wirken zu lassen. Den Terror habe ich mit irritierenden Geräuschen und schnellen Schnitten grotesker, überraschender Bilder akzentuiert. Aber es war ein Wunder, dass ich es geschafft habe, ihn in sieben Tagen fertigzustellen, für $50.000. Ich bekam meinen $1.000-Bonus”.

In einer New Yorker Hotelbar prahlt der betrunkende Prescott (Dick Elliott) unvorsichtigerweise mit $10.000, die er bei sich trägt. Ein Fremder, der kein Hotelzimmer mehr bekommen konnte, bittet Prescott, ihn in seinem Zimmer übernachten zu lassen. Am nächsten Morgen findet die Putzfrau den mit einem Seidenstrumpf erdrosselten und ausgeraubten Prescott in dem Hotelzimmer. Derweil reist Millie Baxter (Kim Hunter) in einem Zug nach New York, um dort ihren Mann Paul Baxter (Dean Jagger), einen Vertreter, den sie vor kurzem geheiratet hat, obwohl sie ihn nur dreimal gesehen hatte, zu treffen. Im Hotel begegnet Millie ihrer alten Liebe Fred Graham (Robert Mitchum), ebenfalls ein Vertreter, der sich von der plötzlichen Heirat Millies vollkommen überrascht zeigt. Doch Paul Baxter taucht in dem Hotel nicht auf…

Bereits dieser erste Akt ist von Bill Castle außerst raffiniert inszeniert. So zeigt er den Mörder stets nur von Hinten im Anschnitt, lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers mit zahlreichen Nahaufnahmen auf vorerst noch rätselhaft bleibende Details und blendet den Schrei der Putzfrau in das Pfeifen des fahrenden Zuges über. Geradzu skurril erscheint das verzweifelte Warten Millie Baxters auf einen Anruf ihres Mannes: Das dunkle Hotelzimmer wird nur durch das gelegentlich aufflackernde Licht einer Leuchtreklame vor dem Fenster erhellt, während von Draußen laute Jazzmusik herüberdringt, immer wieder das gleiche, periodisch einsetzende Thema, das in Verbindung mit dem Lichtflackern eine groteske Atmosphäre erzeugt.

…Zusammen mit Fred geht Millie zur Polizei. Aber statt in der Vermisstenabteilung landen sie irrtümlicherweise im Morddezernat. Lieutenant Blake (Neil Hamilton) schöpft ob der Schilderungen Millies Verdacht und lässt ihren Mann suchen. Dann endlich meldet sich Paul Baxter bei seiner Frau. Er hält sich unter falschem Namen in einem schäbigen Zimmer in einem finsteren New Yorker Stadtteil versteckt. Zunächst noch glaubt die naive Millie den Ausreden ihres Mannes; gemeinsam erleben sie ein paar schöne Stunden in einem Vergnügungspark. Erst als Paul es entschieden ablehnt, Fred zum Essen einzuladen, kommen ihr erste Zweifel. Inzwischen findet die Polizei Indizien, die auf Paul Baxter als Täter deuten. Nach dem verschwundenen Ehepaar fahndend, sucht Blake Fred Graham auf. Dieser trifft sich heimlich mit Millie und deutet ihr unausgesprochen an, dass auch er Paul für den Killer hält. Von Zwangsvorstellungen gequält, hetzt Millie durch die Nacht…

Millie Baxters Gefühlsleben aus Verwirrung und Angst übersetzt Bill Castle in einige verstörende Bilder. Während sie durch menschenverlassene, finstere Gassen streift, überblendet Castle die Szenerie mit einigen aus dem Dunkel auftauchenden Gesichtern, die bedrohlich auf sie einreden und ihr den furchtbaren Verdacht gegen ihren Mann zu bestätigen scheinen. Mit dieser in ihrer Wirkung beinahe psychotischen Sequenz visualisiert Castle gekonnt die psychologischen Untertöne des Films. Der innere Zustand der Anfangs noch naiven und gutgläubigen Millie Baxter offenbart sich so dem Zuschauer als ein vollkommen zerissener, nicht mehr allzu weit vom seelischen Zusammenbruch entfernt.

…Eine Flucht des Ehepaares nach Dallas misslingt. Dann, nachdem die beiden mittlerweile in der heruntergekommensten Gegend der Stadt gelandet sind, erklärt Paul Baxter seiner Frau endlich, was geschehen ist: “Ich habe vielleicht sein Geld gewollt, aber ich habe ihn nicht umgebracht”. Die beiden stellen sich der Polizei. Während ihr Mann dort festgehalten wird, sucht Millie Fred Graham auf. Auf der Dachterasse des Hotels entlarven ein Brief und ein Geschenk (Seidenstrümpfe), die Fred vor einiger Zeit an Millie abgeschickt hat, diesen als Mörder. Fred versucht Millie vom Dach zu stoßen, doch diese kann gerade noch entkommen und die Polizei benachrichtigen. Derweil steckt Fred die gestohlenen $10.000 in einem Briefumschlag, den er an seine eigene Wohnung in Atlanta adressiert. Als die Polizei im Hotel auftaucht, nach einem Beweis für seine Schuld suchend, ist der Umschlag in Freds Jackentasche. In einem günstigen Moment gelingt es ihm, den Brief unter den Augen Lieutenant Blakes einzuwerfen – es ist fünf Minuten vor zehn, um zehn Uhr wird der Briefkasten geleert. Fünf Minuten, die für Fred Graham zu einer Ewigkeit werden. Neben dem Briefkasten stehend wird Fred zunehmend nervöser, bis er sich mit seinen Erklärungen immer mehr in Widersprüchen verliert und schließlich selbst verrät.

Gemeinsam reisen Millie und Paul Baxter im Zug nach Hause. Eine junge Frau (Rhonda Fleming in einer ihrer allerersten Filmrollen) betritt das Abteil, deren abschließende Bemerkung zur allgemeinen Erheiterung beiträgt: “Ich habe auch gerade erst geheiratet”.

Don Miller schreib in Focus on Film über When Strangers Marry: “Dieser exzellente Suspense-Thriller würde allein jede ernsthafte Studie des B-Films rechtfertigen. In zehn Tagen (es waren lediglich sieben, A.d.V.) für eine erstaunlich geringe Summe gedreht, wurden diese offensichtlichen Beschränkungen durch das solide Handwerk von Regie, Drehbuch, Musik, Schnitt und Darstellung ausgeglichen”. Die Qualitäten dieses Films mit “solidem Handwerk” zu umschreiben, ist eine schamlose Untertreibung. Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass er in sieben Tagen und für $50.000 gedreht wurde. Mit auffallend vielen Untersichten, die selbst noch unrelevante Nebendarsteller bedrohlich erscheinen lassen, und einem feinem Geflecht aus Montagesequenzen, Überblendungen, Rückblenden und Suspense-Momenten, ist der Film ungeheure dicht, visuell einfallsreich und spannend inszeniert, verbreitet er jederzeit ein unangenehmes Gefühl unterschwelliger Angst. When Strangers Marry, ein kleines vergessenes Meisterwerk und vielleicht Castles bester Film überhaupt, lässt sich durchaus mit den Thrillern Hitchcocks, den Horrorfilmen Val Lewtons, ja, stellenweise sogar mit den Film Noirs Orson Welles’ vergleichen. “The Boy Wonder” hatte recht, als er Bill Castle außergewöhnliches Talent attestierte.

Am Erstaunlichsten noch bei alledem ist, dass hier, trotz der ungünstigen Produktionsbedingungen, nichts erzwungen erscheint; im Gegenteil, Castles Inszenierung wirkt leicht und zugleich straff. Mit einer geschickten Erhöhung der Schnittfrequenz in den Suspense-Szenen – etwa bei der Entlarvung Robert Mitchums – gelingt es ihm, die psychologischen Zustande seiner Protagonisten in eindringlichen Bilderfolgen sichtbar zu machen. Als geradezu brillant ist die Tonspur zu bezeichnen, nicht nur die Musik des russischen Emigranten Dimitri Tiomkin, sondern vor allem Castles Handhabung von verstörenden Geräuschen: Das nervenzerreissende Geschrei eines Babys, Tonüberblendungen und der ungewöhnliche Einsatz populärer Jazzmusik als Irritationsmoment erzeugen auch akkustisch jenen allgegenwärtigen Terror, den zu vermitteln Castle sehr wohl beabsichtigt hatte.

Und als ob er bereits geahnt hätte, dass er nie wieder einen derart auch künstlerisch überzeugenden Film drehen sollte, bringt sich Bill Castle, der eigentliche Star von When Strangers Marry, zum ersten mal selbst groß ins Bild. In dem Zimmer, in dem sich Dean Jagger unter falschem Namen versteckt hällt, steht auf Foto des Vormieters auf der Kommmode, auf dem Bill Castle zu sehen ist. Bei King Cohns Columbia, wo solcherlei Eitelkeiten nicht gern gesehen wurden, war er nur ein ausführender Handwerker, aber bei der Monogram galt er als großer Regisseur, der sich einige Freiheiten herausnehmen konnte – so wie Edgar G. Ulmer bei einem anderen Poverty Row-Studio, der Producers Releasing Corporation (PRC).

Der österreichische Migrant Ulmer meinte einmal über sein Engagement bei der PRC: “Ich habe viele Filme für sie gemacht. Und es war vor allem eines, was mit bei der PRC geholfen hat: Ich konnte stets meine eigene Crew verwenden und, von einem technischen Standpunkt aus gesehen, habe ich das Studio sogar fast geleitet… Sicher hätte ich nicht jeden Vertrag mit der PRC unterzeichnet, aber sie war mein Zuhause und ich konnte dort frei walten und alle meine Ideen wurden dort sofort und sehr aufmerksam registriert”. Vielleicht wäre Castles frühe Karriere anders verlaufen, wenn er sich, wie Ulmer, für die künstlerische Freiheit entschieden hätte und bei der Monogram geblieben wäre. Doch für ihn war die Columbia sein Zuhause, auch wenn Pappa Cohn ihn dort im Grunde nur wie ein austauschbares Inventar behandelt und bis zum Letzten ausgebeutet hat. (S. 60-67)

 

(Auszug aus: William Castle oder Die Macht der Dunkelheit, Meitingen 2000, S. 34-38 und S. 60-67. copyright 2000 by Robert Zion/Corian-Verlag)

 

Bild-/Tonträger:

DVD: Betrayed (Warner Bros. [USA], 2010), Ton: Englisch, Bildformat: 1.33:1

Hits: 164

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.