Von Drachen und Indianern – William Castles Kavallerie-Western: CONQUEST OF COCHISE (1953) und BATTLE OF ROGUE RIVER (1954)

Conquest of Cochise (Auf Kriegspfad, William Castle, 1953)
Battle of Rogue River (William Castle, 1954)

Wer an Kavallerie-Western denkt, der kommt um John Fords berühmte „Kavallerie-Trilogie“ nicht herum. Mit Fort Apache (Bis zum letzten Mann, 1948), She Wore a Yellow Ribbon (Der Teufelshauptmann, 1949) und Rio Grande (1950), in denen es immer in sehr komplexer Weise um die Gemeinschaft und die Zivilisierung des Frontier ging, setzte Ford die filmischen und erzählerischen Maßstäbe für die 50er Jahre. Nicht weniger Einflussreich aber war der erste große humanistische Indianer-Western Broken Arrow (Der gebrochene Pfeil, 1950) von Delmer Daves, der die Indianer selbst in den Mittelpunkt rückte und dabei mit der Geschichte des historischen Apachen-Häuptlings Cochise vom schwierigen Prozess der Friedensstiftung und individueller Integration erzählte.


Conquest of Cochise
: John Hodiak und Robert Stack

Die – nicht wenigen – Kavallerie-Western der 50er und 60er Jahre bewegten sich stets in diesem Spannungsfeld von Ford und Daves und waren dabei nur selten reine Kriegsfilme – so auch etwa der von Joseph H. Lewis’ für die Columbia gedrehte 7th Cavalry (Die 7. Kavallerie, 1956) -, bis dann schließlich New Hollywood auch dieses Subgenre mit Little Big Man (Arthur Penn, 1970) und Soldier Blue (Das Wiegenlied vom Totschlag, Ralph Nelson, 1970) endgültig von seinen dramatischen Alibis befreite, radikal entmythologisierte und dem zumeist idealisierenden bis romantisierenden Blick der Sieger ein ebenso brutales wie realistischeres Ende setzte.


Battle of Rogue River

Bill Castle drehte 1953 und 1954 zwei solcher Kavallerie-Western der klassischen Hollywood-Phase, wie immer zu dieser Zeit für die von Sam Katzman geleitete B-Picture-Abteilung der Columbia. In Conquest of Cochise (Auf Kriegspfad, 1953) und Battle of Rogue River (1954) geht es jeweils um die „Last Frontiers” (Arizona und Oregon) und während ersterer fast schon ein Quasi-Remake von Broken Arrow darstellt, bewegt sich letzterer eindeutig auf den Pfaden John Fords.

Conquest of Cochise

Major Burke (Robert Stack) trifft mit vier Kompanien „Dragoons“ – benannt dach dem Drachen auf dem Abzeichen des 1. Kavallerie-Regiments der US-Armee – in Tucson, Arizona ein, nachdem die USA die südlichen Teile des heutigen Arizona und Neu Mexiko von Mexiko käuflich erworben haben. Sein Befehl ist es, die kriegerischen Handlungen zwischen den mexikanisch-stämmigen Einwohnern, angeführt von Don Francisco de Cordova (Edward Colmans), und den Apachen unter Häuptling Cochise (John Hodiak) sowie den Komantschen unter Häuptling „Rotes Messer“ (Rodd Redwing) zu beenden. Die Profitinteressen mexikanischer Geschäftsleute durch einen regen Alkoholverkauf an alle Kriegsparteien stehen der Befriedung der Region im Wege.

Während Cochise auf der Seite Major Burkes steht und den Frieden anstrebt, weil er weiß, dass er gegen die überlegene Feuerkraft der US-Armee letztlich keine Chance hat, schüren „Rotes Messer“ und de Cordova weiter den Krieg. Als schließlich Cochises Frau Terua (Carol Thurston) von den Mexikanern mit einem Gewehr der US-Soldaten hinterrücks ermordet wird, nehmen die Apachen de Cordovas Tochter Consuelo (Joy Page) zur Geißel. Major Burke muss Cochise nun beweisen, dass er wirklich Frieden will und nicht hinter dem Mordanschlag steckt.


Conquest of Cochise

Nachdem Burke den Beweis erbracht und die mexikanischen Geschäftsleute demaskiert hat, wittern die Komantschen Verrat und verurteilen Cochise zu den qualvollen „drei Toden“ (durch kochendes Wasser, Messer und Feuer). In letzter Sekunde – geradezu klassisch – trifft Burkes Kavallerie ein und besiegt gemeinsam mit den Apachen die Komantschen. Consuela, die sich während ihrer Gefangenschaft in Cochise verliebt hat, möchte bei den Apachen bleiben, doch Cochise schickt sie unter falschem Vorwand in die ihr angestammte Welt zurück.

Conquest of Cochise folgt auf eine interessante Weise den vielen „humanistischen Indianer-Western“ in der Nachfolge von Broken Arrow, die Georg Seeßlen sehr schön beschrieben hat: „Ähnlich wie in vielen Nachfolgefilmen von Broken Arrow reduzierte sich freilich die Botschaft dieser Western auf die simple ‚Wahrheit’, dass es eben auf beiden Seiten, bei den Rothäuten und bei den Weißen, edle und schurkische Menschen gab, und dass Uneinigkeit und Verrat auf beiden Seiten mehr zum Krieg beitrugen als ein prinzipieller Antagonsimus, der schon deswegen nicht bestehen konnte, weil die Indianer-Häuptlinge dieser Filme den Eindruck erweckten, als kämen sie geradewegs von einer Universität in Europa. Mit anderen Worten, der kulturelle Konflikt wurde verdrängt, indem man die Unterschiede beider Lebensformen herunterspielte.“


Conquest of Cochise

Tatsächlich ist Bill Castle Western diesbezüglich weit weniger romantisierend. Sein historischer Cochise handelt letzlich aus dem Bewusstein militärischer Unterlegenheit und auch des kulturellen Konflikts, aufgrund dessen er sogar auf seine Liebe verzichtet. Auch zeigt Bill Castle sehr ausführlich das Stammesleben der Apachen mit seinen Initiations-, Hochzeits- und Beerdigungsriten. Conquest of Cochise ist so letzlich ein pazifistischer Western aus Realismus, der aber die Deutungshoheit über den Frieden am Ende dennoch wieder dem Blick der Sieger überlässt. Besonders deutlich wird dies, als Major Burke gegenüber Don Francisco de Cordova darauf besteht, dass nicht nur die Mexikaner, sondern „auch die Indianer Amerikaner sind“.

Battle of Rogue River

Battle of Rogue River handelt von den Rogue River-Kriegen (1855/56) im südlichen Oregon zwischen europäisch-amerikanischen Siedlern und den Rogue River Indianern. Häuptling Mike (Michael Granger) ist es gelungen, die Besiedlung Oregons zu stoppen und dabei den Siedlern sowie der US-Armee unter Major Wallach (Willis Bouchey) einige schwere Niederlagen beizubringen. Als schließlich Major Archer (George Montgomery) mit Verstärkung – inklusive zweier schwerer Geschütze – eintrifft, eskaliert die Situation in dem Fort. Während Archer mit seiner Artillerie lediglich einen Warnschuss auf die Indianer abfeuern lässt, um diese zu Friedensverhandlungen zu bewegen, verweigern sich die Siedler ebenso der neuen Ordnung, wie Major Wallach den Disziplinierungsversuchen Archers. Wallach will noch mehr Irreguläre unter dem Kommando Stacey Wyatts (Richard Denning) verpflichten, bietet ihnen dafür sogar Alkohol – und die Küsse von Brett McClain (Martha Hyer), der Tochter des Batallions-Sergeants.


Battle of Rogue River

Nachdem Major Archer das Kommando übernommen hat, beugt sich Major Wallach schließlich doch der neuen Disziplin. Archer gelingt es, mit Häuptling Mike eine Waffenruhe von dreißig Tagen zu vereinbaren, bei der beide Seiten zusagen, den Rogue River nicht zu überqueren. Während Major Archer die endgültige Entscheidung Häuptling Mikes für den Friedensschluss abwarten muss, paktiert Wyatt mit den örtlichen Geschäftsleuten, die weder Interesse an der neuen Staatlichkeit noch am Frieden haben. Wyatt gelingt es zudem, den Batallions-Sergeant McClain (Emory Parnell) mittels einer Täuschung auf seine Seite zu ziehen, um die Waffenruhe einseitig zu brechen. Sergeant McClain überquert den Rogue River und führt seine Patrouille gegen eine Indianer-Siedlung, die Patrouille wird aufgerieben, der Sergeant selbst dabei schwer verwundet.

Es kommt zu einer blutigen Schlacht am Rogue River. Major Archer positioniert seine Artillerie, um die Indianer endgültig zu vernichten. Doch Sergeant McClain kann sich zurück zum Fort durchschlagen und den Verrat Wyatts aufdecken. Archer führt Wyatt zu Häuptling Mike, der den Friedensbrecher schließlich tötet. Beeindruckt von Major Archers Integrität – und der Feuerkraft der Kanonen – legt Häuptling Mike die Waffen nieder. „1859“, so eine Voiceover-Stimme abschließend, „wird Oregon offiziell zum 33. Bundesstaat der Vereinigten Staaten.“


Kanonen und „National Indian Beauty Contest“: Battle of Rogue R
iver

Disziplin und Ehre in der Armee, die Entstehung von Staatlichkeit und Gemeinschaft an der Front, kurz: die Zivilisierung des Frontier – Bill Castles Battle of Rogue River erinnert nicht nur mit diesen Erzählungen, sondern auch in der Weite seiner Landschaftsaufnahmen und seiner Dynamik stark an die Kavallerie-Western John Fords. Diesem Schema entsprechend, gilt das Interesse des Films, anders als bei Conquest of Cochise, auch nicht der Kultur der Indianer. Diese sind hier nicht vielmehr als exotische Schau, die sogar noch zur Promotion herangezogen wurde: Produzent Sam Katzman besetzte für die Frauen in der Indianersiedlung alle sechs Gewinnerinnen des „National Indian Beauty Contest“ und rührte damit ordentlich die Werbetrommel. Das spätere Gimmick-Kino Bill Castles hat seine Wurzeln ohnehin eindeutig bei Sam Katzman, der solche Gimmicks bereits in den 40er Jahren als Produzent für die Monogram-Pictures einsetzte, etwa bei dem Bela-Lugosi-Spukausfilm Invisible Ghost (Joseph H. Lewis, 1941).

Wie alle Filme Bill Castles zu dieser Zeit, ausgenommen seine Film Noirs, so sind auch seine beiden Kavallerie-Western letztlich Hybride aus Abenteuer- und Kriegsfilm, Liebes- und historischem Drama. Sie sind dabei äußerst kompetent gefilmt, jedenfalls weit über dem B-Film-Niveau der Zeit, und, da in Kalifornien an Originalschauplätzen gedreht – Santa Clarita, die Corriganville Movie Ranch und der Vasquez Rocks Nationalpark bei Conquest of Cochise; die Newhall Ranch in Valencia bei Battle of Rogue River –, auch ohne die üblichen künstlichen Studiobauten und Matte Paintings, wie etwa bei Serpent of the Nile (Die Schlange vom Nil, 1953) oder Charge of the Lancers (Das Zigeunermädchen von Sebastopol, 1954). Daher fallen hier die Beschränkungen bei Drehzeit und Budget noch am wenigsten ins Gewicht. Auch sind die Drehbücher von Arthur Lewis und Douglas Heyes weit weniger schematisch konstruiert als die seines Standard-Drehbuchautoren der Columbia zu dieser Zeit Robert E. Kent.


Battle of Rogue River: George Montgomery, Martha Hyer und die Schlacht

So sind Conquest of Cochise und Battle of Rogue River wohl Bill Castles beste Western – von insgesamt elf, von Klondike Kate (1943) bis Duel on the Mississippi (Die Intrige der Lily Scarlett, 1955) -, mit durchaus interessanten historischen und filmhistorischen Bezügen, typische „Sonntagnachmittag-Filme“ zwar, aber als solche zwei actionreiche, spannend erzählte und unterhaltsame Beispiele aus der Hochzeit des klassischen Hollywood-Studiosystems.

 

Bild-/Tonträger:


DVDs: “Conquest of Cochise” (Columbia/Sony [USA: NTSC], 2014) Bild: 1.37:1, Ton: Englisch. “Battle of Rogue River” (Columbia/Sony [USA: NTSC], 2011) Bild: 1.85:1, Ton: Englisch.

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