SHEBA, BABY (1975) von William Girdler

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Sheba, Baby (William Girdler, 1975)

„Ich glaube, ich zeige den Zuschauern die Dinge, so wie sie wirklich sind. Was die Gewalt betrifft, so geht es meinen Figuren immer um Selbstschutz – mit Haarklammern, Rasierklingen, was immer sie auch auf der Straße gelernt hatten, um zu überleben. Die Leute sollen diese hässlichen Dinge auf der Leinwand sehen“ – Pam Grier, 1976.

Es ist eine schöne Liebeszene, ein melancholischer und doch auch sehr versöhnlicher Abschied. Beide kommen sich sehr nahe und sind sich dennoch auch ein wenig fern. Sie greifen sich die Hände, küssen sich. Sie drückt ihm ihren Zeigefinger zum Abschied auf die Lippen. Nachdem sie gegangen ist, geht er zurück ins Ladenlokal, zögerlich, sie steigt in ein Auto, blickt nachdenklich, etwas ängstlich sogar, die Musik setzt ein…

Nein, das Ladenlokal ist nicht Max Cherrys (Robert Forsters) Kautions-Büro, es ist Brick Williams’ (Austin Stokers) Kredit-Büro, sie – Pam Grier – ist hier nicht “Jackie Brown”, sondern “Sheba Shayne” und dies ist auch nicht das Ende von Quentin Tarantinos Jackie Brown (1997), sondern von William Girdlers Sheba, Baby – und doch ist es eben auch das Ende von Jackie Brown. Tarantino hat aber nicht nur wieder einmal zitiert, als Schauspieler-Regisseur hat er Pam Grier dieses Endes so spielen lassen, wie sie es wollte, dabei eine Sensibilität und ein Vertrauen in ihre Fähigkeiten beweisend, die William Girdler in seinen Star 22 Jahre zuvor – zu dieser Zeit auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Popularität – nicht immer hatte.

Sheba, Baby (William Girdler, 1975) / Jackie Brown (Quentin Tarantino, 1997)

Die kurze Karriere William Girdlers – er kam 1978 nur 30-jährig bei einem Hubschrauberabsturz während einer Location-Suche auf den Philippinen ums Leben – war die eines klassischen Exploitation-Regisseurs, der die Erfolge anderer kommerziell auszunutzen wusste. Mit seinen Horrofilmen Abby (1974) und Grizzly (Killer Grizzly, 1976) sprang er jeweils einnahmeträchtig auf die Erfolge von The Exorcist (Der Exorzist, William Friedkin, 1973) und Jaws (Der weiße Hai, Steven Spielberg, 1975) auf, was ihm im Fall von Abby, der ursprünglich sogar den Arbeitstitel “The Blaxorcist” trug, eine Urheberrechtsklage von Warner einbrachte (der Film musste hiernach aus den Kinos genommen werden). Auch mit Sheba, Baby, nach The Zebra Killer (1974) und Abby Girdlers dritter Blaxploitation-Film, folgt der Regisseur diesem Muster – der Film sollte ein Star-Vehikel für den ersten weiblichen Blaxploitation-Star Pam Grier werden und vom kommerzielen Erfolg von Coffy (1973) und Foxy Brown (1974) noch einmal profitieren (tatsächlich wurde Sheba, Baby nach diesen beiden der kommerziell dritterfolgreichste Blaxploitation-Film Pam Griers).

Sheba, Baby: mit Austin Stoker

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