THE OX-BOW INCIDENT (1943) von William A. Wellman

The Ox-Bow Incident (Ritt zum Ox-Bow, William A. Wellman, 1943)

Auf die nicht selten vorkommende Frage, ob ich denn einen „spannenden Western“ empfehlen könne, lautet meine Antwort nahezu immer: The Ox-Bow Incident. Wer sich diese Spannung also erhalten möchte, sollte sich den Film anschauen, bevor er hier weiter liest.

Es ist allerdings eine ungewöhnliche Spannung, vergleichbar mit der von 12 Angry Men (Die zwölf Geschworenen, Sidney Lumet, 1957), als dessen pessimistischer Vorläufer The Ox-Bow Incident durchaus gesehen werde könnte. Das Thema von Wellmans Western, geschrieben und produziert von Lamar Trotti für die 20th Century Fox, ist nur vordergründig die Gerechtigkeit, sein Thema ist vielmehr das Wesen des Rechts.

Wie 12 Angry Men, so lenkt auch The Ox-Bow Incident seine Aufmerksamkeit auf die Psychologie seiner Figuren. Doch anders als in Lumets Meisterwerk, siegt hier nicht das Argument, in Wellmans Film sind alle Figuren – Kläger, Angeklagte, Beobachter, Einpeitscher, Außenseiter oder Widerständler – vielmehr verloren. Dies, sowie seine ausgedehnten Nachtaufnahmen und sein Low Key-Licht, erlauben es, von The Ox-Bow Incident als einem der wenigen Western zu sprechen, die der Strömung des Film Noir zuzurechnen sind – so wie Pursued (Verfolgt, Raoul Walsh, 1947), Yellow Sky (Herrin der toten Stadt, William A. Wellman, 1948) oder der faszinierende Blood on the Moon (Nacht in der Prärie, Robert Wise, 1948).

Auf seiner ausgezeichneten Seite „Der Film Noir“ fasst Matthias Merkelbach die Prämisse von The Ox-Bow Incident zusammen: „Nevada im Jahr 1884: Das Frühjahr ist angebrochen und die Cowboys Gil Carter (Henry Fonda) und Art Croft  (Harry Morgan) reiten eines Tages in die nahegelegene Ortschaft. Im örtlichen Saloon treffen sie auf den Barkeeper Darby (Victor Kilian), der ihnen eine Flasche Whiskey und zwei Gläser hinstellt. Jener kann sich nicht zurückhalten, bezüglich Gils unglücklicher Liebe zur Schönheit des Ortes, Rose Mapen (Mary Beth Hughes), einige Kommentare loszuwerden, die Carter aggressiv werden lassen und in Trinklaune bringen. Als der Rancher Jeff Farnley (Marc Lawrence) hereinkommt, sind die in letzter Zeit sich häufenden Viehdiebstähle das Gesprächsthema. Gil und Art, die nur selten im Ort sind, werden unversehens als zumindest potentiell Verdächtige angesehen. Carter, vom Whiskey angefacht, gerät in Wut und stürzt sich auf Farnley, den er brutal zu Boden schlägt und mit Tritten traktiert, bis Darby ihm eine Flasche über den Schädel zieht. In dem Augenblick stürzt der junge Green (William Benedict) herein und berichtet, der Farmer Larry Kinkaid läge per Kopfschuss getötet in der Nähe seiner Ranch und man habe ihm sogar Vieh gestohlen. Unter Führung Farnleys formiert sich eine Posse, um den flüchtigen Mördern und Viehdieben nachzusetzen. Zwar versucht der Krämer Arthur Davies (Harry Davenport), die aufgebrachten Viehtreiber zu beruhigen, doch der Sheriff (Willard Robertson) ist nicht in der Stadt, da er frühmorgens selbst zu Kinkaid wollte. Gil Carter und Art Croft eilen zwecks Unterstützung für Davies zu Richter Daniel Tyler (Matt Briggs): Hier hält sich auch Deputy Butch Mapes (Dick Rich) auf, der sich im Verbund mit einem ehemaligen Südstaatenoffizier im Sezessionskrieg, Major Tetley (Frank Conroy), nun selbst widerrechtlich an die Spitze von Farnleys Lynchmobs setzt…“

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