SCREAM BLACULA SCREAM (1973) von Bob Kelljan

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Scream Blacula Scream (Der Schrei des Todes, Bob Kelljan, 1973)

“Die ersten vier Filme machte ich, um mir die Studiengebühren zu verdienen, denn ich ging von der Universität in Colorado an die Filmschule in Kalifornien. Es war sehr teuer und als Studentin von Außerhalb musste ich fünf Jobs gleichzeitig machen, um die Schule absolvieren zu können” – Pam Grier, 2008.

In den sechziger Jahren hatte die American International Pictures (AIP) als unabhängige Produktionsfirma vor allem mit ihren Horrorfilmen große Kassenerfolge erzielt. Vincent Price war der Star dieser Filme, in Roger Cormans Poe-Verfilmungen ebenso, wie in mit englischen Studios aus Kostengründen koproduzierten Filmen wie Witchfinder General (Der Hexenjäger, Michael Reeves, 1968) oder The Abominable Dr. Phibes (Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes, Robert Fuest, 1971). Anfang der siebziger Jahre verließ Roger Corman die AIP und Price wurde für die Produktionsfirma allmählich zu teuer. Die AIP versuchte daher mit Robert Quarry einen neuen Horrorstar aufzubauen – mit Filmen wie Count Yorga, Vampire (Junges Blut für Dracula, Bob Kelljan, 1970) – sowie mit neuen Regisseuren wie Jack Hill, Bob Kelljan oder William Girdler die Blaxploitation-Welle kommerziell auszubeuten.

William Marshall

Für Studio-Boss Samuel Z. Arkoff und dem neuen Produktionsleiter Larry Gordon schien es nun naheliegend, das altbekannte Horrormuster der AIP, das allmählich seine Anziehungskraft verlor (Robert Quarry erwies sich als notorisch uncharismatisch), mit der extrem erfolgreichen Blaxploitation zu verbinden. Mit Blacula (William Crain, 1972) wurde so das Vampir-Thema von der AIP für das schwarze Publikum adaptiert, mit Blackenstein (William A. Levey, 1973) das Frankenstein-Thema sowie mit Sugar Hill (Die schwarzen Zombies von Sugar Hill, Paul Maslansky, 1974) das Zombie-Thema. William Girdlers Abby von 1974 (Arbeitstitel: “The Blaxorcist”) sollte zudem noch vom Erfolg von The Exorcist (Der Exorzist, William Friedkin, 1973) profitieren. Blackenstein und Sugar Hill wurden dabei – sogar gemessen an AIP-Standards – sehr schwache, geradezu stümperhafte Filme, Abby musste nach einer Urheberrechtsklage von Warner wieder aus den Kinos genommen werden und nur mit Blacula und dessen Sequel Scream Blacula Scream gelangen der Firma zwei wirklich interessante Crossover-Filme, die das “weiße” Dracula-Motiv mit dem neuen Soul Cinema verbanden. Blacula-Regisseur William Crain drehte zudem gegen Ende der Blaxploitation-Welle noch eine Adaption von Robert Louis Stevensons Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Roman für das schwarze Publikum: Dr. Black, Mr. Hyde (Das Monster von London, 1976).

Pam Grier

Zur Handlung: Bevor die Voodoo-Priesterin Mama Loa stirbt, bestimmt sie noch Lisa Fortier (Pam Grier) zu ihrer Nachfolgerin, sehr zum Unwillen von Mama Loas Sohn Willis Daniels (Richard Lawson). In einer Rückblende auf Blacula sehen wir, wie der schwarze Prinz Mamuwalde (William Marshall) von einem weißen Vampir selbst zu einem Vampir – zu „Blacula“ – gemacht wurde, ein Fluch der Weißen, der nun auf ihm lastet. Willis Daniels hat Blaculas Gebeine erworben und erweckt den Untoten in einem magischen Ritual wieder zum Leben, um mit ihm Lisa zu beseitigen. Die Wiedererweckung gelingt, doch Daniels wird Blaculas erstes Opfer. Der Vampirismus verbreitet sich nun immer mehr, so dass der ehemalige Polizist und Sammler okkulter afrikanischer Kunst Justin Carter (Don Mitchell) misstrauisch wird und Sheriff Harley Dunlop (Michael Conrad) vom Unwesen der Vampire zu überzeugen versucht.

Lisa verliebt sich in den distinguierten Prinzen Mamuwalde, doch dieser ist zum Töten verdammt. Nachdem Lisas Freundin Gloria (Janee Michelle) auf einer Party in einen Vampir verwandelt wurde, wird sie von Mamuwalde vor der Untoten gerettet. Blacula erhofft sich, mit Hilfe der Voodoo-Kräfte von Lisa Erlösung von seinem Fluch, sein Dasein für ewig als Vampir fristen zu müssen. Doch das Ritual zur Erlösung Blaculas wird von der Polizei unterbrochen, die nun, überzeugt von Justin Carter, das Anwesen der Vampire mit Pfählen stürmt. Blacula wehrt sich mit allen Kräften und richtet ein regelrechts Blubad an. Entsetzt von der Gewalt, sticht Lisa, in Tränen aufgelöst, in die Voodoo-Puppe und tötet hiermit den zum Vampir verfluchten schwarzen Prinzen.

Wie bereit der Vorgängerfilm Blacula, so beeindruckt auch Scream Blacula Scream durch die Titelrolle William Marshalls. Marshall (1924-2003) war ursprünglich Theaterschauspieler, der bereits 1944 am Broadway debütiert hatte, wo er vor allem mit seiner Titelrolle in Shakespeares Othello große Erfolge bei Kritikern und Publikum feierte. Zugute kam ihm dabei seine tiefe, sonore Stimme (Marshall war zudem noch Opernsänger) und sein an Shakespeare geschulter, gepflegter englischer Ausdruck. Tatsächlich hätte die AIP mit William Marshall wahrscheinlich sogar einen würdigen Nachfolger für Vincent Price gefunden, der diesem in Vielem sogar sehr ähnelte, wenn die Beschränkung auf das vornehmlich schwarze Publikum dem nicht im Wege standen wäre.

Vergleicht man jedenfalls William Marshalls Vampir mit dem Robert Quarrys – in Count Yorga, Vampire und dessen Sequel The Return of Count Yorga (Die sieben Pranken des Satans, Bob Kelljan, 1971) -, so erinnert Marshall in seiner distinguierten Art, mit seiner tiefen Stimme und seinem aristokratischen Charisma nicht nur an Vincent Price, sondern vor allem an Christopher Lee in seinen Vampir-Rollen – eine schauspielerische Qualität und Präsenz, die der sehr eindimensional-flache Quarry hingegen nie erreichte. Hinzu kam der tragische Charakter von William Marshalls Vampir in den beiden Blacula-Filmen, denn erstmals ist hier die Figur des aristokratischen Vampir-Fürsten eine, die an ihrer Schatten-Existenz wirklich leidet und nach Erlösung von dem Fluch strebt. Dass es ursprünglich ein weißer Vampir gewesen ist, der den schwarzen Prinzen zu diesen Leiden verdammt hat, und dass es mit der Figur Pam Griers in Scream Blacula Scream dann eine schwarze Voodoo-Priesterin ist, die ihn von seinem grauenvollen Schicksal erlöst, deutet auch in diesem Film bereits auf eines der Hauptmotive von reinen Blaxploitation-Filmen wie Coffy und Foxy Brown hin: auf die Black self determination.

Pam Grier spielt die Rolle der von dem schwarzen Prinzen Mamuwalde so angezogenen Voodoo-Priesterin Lisa Fortier sehr intensiv und überzeugend. Seit ihrer Entdeckung als Schauspielerin durch Jack Hill in The Big Doll House (1971) lernte sie sichtbar von Film zu Film dazu, erweiterte stetig ihr darstellerisches Repertoir, auch, wie sie einmal selbst sagte, durch die Unterstützung des mit ihr befreundeten Schauspieler-Kollegen Sid Haig. Natürlich ist die den Afro-Amerikanern zugeschriebene Voodoo-Thematik noch ein einschlägig bekanntes Horrorklischee des weißen Kinos – bereits seit Filmen wie White Zombie (Victor Halperin, 1932) oder I Walked With A Zombie (Ich folgte einem Zombie, Jacques Tourneur, 1943) bekannt -, doch drehen Blacula und Scream Blacula Scream dieses Klischee mit der – wenn auch tragischen – Befreiung eines Schwarzen von einem von Weißen gebrachten Fluch geschickt um. Dieses tragische Moment, die schwarze Selbstbehauptung und vor allem seine beiden beeindruckenden Hauptdarsteller William Marshall und Pam Grier, verleihen dem Film auch heute noch einen emotionalen Tiefgang und – trotz der übersinnlichen Thematik – sogar eine gewisse Glaubwürdigkeit, die sich angenehm von vielen AIP-Horrorfilmen dieser Zeit absetzen.

 

Bild-/Tonträger:

DVD: “Scream, Blacula, Scream” (MGM, 2004 [USA: NTSC]), Bild: 16:9-1.85:1, Ton: Englisch.

Pam Grier’s Soul Cinema der AIP auf Blu-ray:

 

Coffy“, “Black Mama, White Mama“, “Foxy Brown” sowie “Sheba, Baby” sind sämtlich in Großbritannien bei Arrow Video in guten bis hervorragenden Editionen auf Blu-ray erschienen, “Friday Foster” in Großbritannien bei 88 Films, “Scream, Blacula, Scream” ebenfalls dort bei Eureka Entertainment.

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