FRIDAY FOSTER (1975) von Arthur Marks

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Friday Foster (Friday Foster – Im Netz der schwarzen Spinne, Arthur Marks, 1975)

“Es ist mir wichtig, eine Art Leuchtturm für die afroamerikanische Gemeinschaft zu sein und Ihnen Ihre Ängste zu nehmen” – Pam Grier, 2010.

Neben Jack Hill zählt Arthur Marks mit seinen action-geladenen Urban Crime Thrillern wie etwa J. D.’s Revenge (1976) und The Monkey Hustle (1976) sicherlich zu den heute bekanntesten Blaxploitation-Regisseuren. Und wie Jack Hill, so hat auch Marks diesen Nachruhm im Wesentlichen Quentin Tarantino zu verdanken. Tarantino ließ es sich nicht nehmen, Marks’ Detroit 9000 (1973) im Oktober 1998 über seine nur kurze Zeit bestehende eigene Firma “Rolling Thunder Pictures” neu zu veröffentlichen, nachdem er den Film bereits ein Jahr zuvor in Jackie Brown zitiert (als einer der Filme, die sich Bridget Fonda und Robert De Niro hierin im Fernsehen ansehen) und eine kurze Textzeile hieraus auf dem Soundtrack seiner Blaxploitation-Würdigung verwendet hatte.

Pam Grier hatte für Marks bereits in Bucktown (1975) gespielt, in einer etwas kleineren Rolle an der Seite von Blaxploitation-Star Fred Williamson, einem Film, den Samuel Z. Arkoff unbedingt für die AIP im Verleih haben wollte. Marks’ Nachfolgefilm für die AIP Friday Foster sollte dann – trotz der durchgehend sehr prominenten Besetzung – wieder ganz auf Pam Grier in der Titelrolle zugeschnitten sein. Der Film basierte auf der gleichnamigen Comic-Serie mit der ersten schwarzen Hauptfigur in den Mainstream-Tageszeitungen überhaupt, die die Chicago Tribune von 1970 bis 1974 im ganzen Land erfolgreich verkauft hatte.

Friday Foster: Yaphet Kotto

Zur Handlung: Pam Grier ist Friday Foster, ein Ex-Fotomodel, das nun für das „Glance-Fotomagazin“ als Fotografin arbeitet. Ausgerechnet zu Sylvester erhält sie einen Anruf von ihrem Verlagschef Monk Riley (Julius Harris), der sie anweist, am Flughafen von Los Angeles den dort eintreffenden Milliardär Blake Tarr (Thalmus Rasulala) – „den schwarzen Howard Hughes“ – zu fotografieren, sich aber ansonsten „aus allem rauszuhalten.“ Auch ihre Freundin, das Model Clorils Boston (Rosalind Miles) ruft sie verzweifelt an, sagt aber nicht warum. Am Flughafen wird Tarr tatsächlich von einigen als Polizisten verkleideten Männern angegriffen und angeschossen. Auf einem ihrer dort geschossenen Fotos, glaubt Friday einen der Attentäter „Yarbro“ (Carl Weathers) wiederzuerkennen. Bei ihrem nächsten Job auf einer Modenschau von Madame Rena (Eartha Kitt – tatsächlich „die Königin der Nachtclubs“ und Musik-Legende) trifft Friday dann den Privatdetektiv Colt Hawkins (Yaphet Kotto) und Clorils, die einige dunkle Andeutungen über „die schwarze Witwe“ macht – bevor sie ermordet wird.

„Yarbro“ versucht nun auch Friday umzulegen, doch sie kann entkommen. Die Polizei um Lt. Jake Wayne (Edmund Cambridge) glaubt, dass Clorils in Drogengeschäfte verwickelt war, doch Friday nimmt gemeinsam mit Colt eine andere Spur auf. Diese führt nach Washington D.C., zu dem schwarzen Senator David Lee Hart (Paul Benjamin) und Clorils Kontaktmann in der Hauptstadt Ford Malotte (Godfrey Cambridge). „Yarbro“ folgt Friday bis nach Washington, bringt dort auch Malotte um, der gegenüber Friday zuvor noch Andeutungen über „die schwarze Witwe“ machen konnte. Auf einem politischen Empfang trifft Friday dann Reverend Noble Franklin (Scatman Crothers), der sie auf sein Landhaus „Jericho“ einläd, und endlich auch Senator Hart sowie dessen Referenten Charles „Charlie“ Foley (Jason Bernard). Sie geht mit Hart ins Bett, der vermutet, dass hinter den Morden Blake Tarr und „ein großes Machtspiel“ steht.

Friday Foster (Arthur Marks, 1975) / Jackie Brown (Quentin Tarantino, 1997)

Das nächste Opfer des politischen Intrigenspiels wird Madame Rena, die Friday noch eine Telefonnummer sagen kann, bevor auch sie von „Yarbro“ erschossen wird. Doch diesmal gelingt es Colt, „Yarbro“ zu stellen und ihn umzubringen. Madame Renas Telefonnummer führt Friday dann zu Blake Tarr, der seinerseits wiederum glaubt, dass „die schwarze Witwe“ nur ein Deckname für Senator Harts geheime Aktivitäten sei. Doch Friday findet auch an Blake Tarr gefallen („Zuallererst bin ich eine Frau“), schläft mit ihm und erhällt dann von dessen Sekretärin einen weiteren rätselhaften Hinweis: „Die Mauern werden fallen“. Friday und Colt glauben, dass dies die Mauern von „Jericho“ sind, Reverend Franklins Landhaus, wo sie das Zentrum der politischen Verschwörung vermuten.

Auf den Weg nach „Jericho“ verliert Friday dann Colt, der von Blake Tarr aufgegriffen wird. Friday findet in dem Landhaus dann nicht nur Reverend Franklin vor, sondern sämtliche „schwarzen Führer des Landes“, die sich unter Senator Hart zu einer Black Power-Bewegung vereinigen wollen. Doch wer oder was ist dann „die schwarze Witwe“? Dann wird „Jericho“ von schwer bewaffnten Männern um „Charlie“ Foley angegriffen. Im letzter Sekunde trifft Colt mit Blake Tarrs Männern ein und entsetzt die Black Power-Leute. Hart und Tarr realisieren nun, dass „Charlie“ Foley, angestiften von einem mächtigen Hintermann (Jim Backus – der einzige Weiße im ganzen Ensemble), alle schwarzen Führer des Landes hier zusammenführen und umbringen wollte. Colt hat „Charlie“ Foley inzwischen festgesetzt – „Wir können nämlich zusammenhalten, wenn es wirklich notwendig ist“, meint Friday Foster abschließend triumphierend zu dem Verräter der Community.

Friday Foster: Carl Weathers

Pam Grier sagte Ende der 90er, das Blaxploitation-Kino der 70er – insgesamt etwa 200 schwarze Action-, Horrorfilme und Komödien, die auf dem Höhepunkt der Ära zwischen 1971 and 1976 erschienen sind – wäre eine “Belohnung” für den Aufbruch und die Befreiung der 60er Jahre gewesen. Eine Belohnung war dieses auch für Produktionsfirmen wie die AIP. “Konnte man das Budget unter $ 1 Million halten”, so Jack Hill, “dann garantierte allein das schwarze Publikum schon einen Gewinn.” Aber mit dem Blockbuster-Kino in der Nachfolge New Hollywoods endete auch diese Ära. Ihre männlichen Counterparts aus Friday Foster konnte Pam Grier bald darauf in zwar prägnanten, aber eben doch nur kleineren Rollen des weißen Blockbuster-Kinos bewundern: Carl Weathers in Rocky (John G. Avildsen, 1976), Yaphet Kotto in Alien (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, Ridley Scott, 1979) oder Scatman Crothers in Shining (The Shining, Stanley Kubrick, 1980), andere, wie Ted Lange, der hier noch eine Pimp spielt, als Barkeeper in Fernsehserien wie Love Boat (1977-1986) – für sie selbst aber war Friday Foster für lange Zeit ihre letzte große Star-Rolle bis Jackie Brown (1997).

Friday Foster

Für eine schwarze Heldin aus “R-rated”-Filmen, die zudem noch wie keine andere nicht nur schwarze, sondern auch weibliche Selbstbestimmung verkörperte, gab es in der High Budget Exploitation der späten 70er und der 80er Jahre einfach keine Rollen, anders ausgedrückt, keinen Markt mehr. So wurde Pam Grier über die Jahre zu einer schwarzen Pop-Ikone, zu einem Kult-Star im Untergrund, die zwar noch weiterarbeitete, aber keine große Leinwandpräsenz mehr erhielt.

Friday Foster ist ein großartiger, ein weithin unterschätzter vorläufiger Abschluss von Pam Grier’s Soul Cinema der AIP und ihres kurzen Star-Ruhms. Zwar – obwohl nach Sheba, Baby wieder “R-rated” – weniger Explizit in der Sprache, der Gewalt- und Sexdarstellung, greift Arthur Marks mit seinem in den Action- und Nacht-Szenen rasant und stimmungsvoll inszenierten Urban Crime Thriller wieder Jack Hills Coffy und Foxy Brown auf, macht dabei aus den Rache-Stories einen Verschwörungs-Thriller und fasst damit gewissermaßen alle Themen des Blaxploitation-Kinos insbesondere Pam Griers zusammen: Black unity and self-determination, Black politics und nicht zuletzt Black feminism.

Friday Foster: mit Thalmus Rasulala und Paul Benjamin

Friday Foster ist eine Art Meta-Film des Blaxploitation-Kinos, dabei der bei Weitem politischste Pam Griers in dieser Zeit und ihre Rolle der “Friday Foster” die reflektierteste und auch mildeste – sie greift während des ganzen Films nur einmal zu Waffe, dann auch nur zur Selbstverteidigung und wirft diese gleich auch wieder angewidert fort. Ihre Waffe ist die Kamera, ihre Aufgabe die Aufklärung, die Aufdeckung der Macht der White Power und des Verrats untereinander sowie das Zusammenführen der Black Power. Während ihr Filmpartner Yaphet Kotto in Friday Foster sozusagen die “Grobarbeiten” erledigt, erlaubt ihr die Distanz ihrer Foto-Kamera diesmal – ganz entsprechend der Meta-Perspektive des Films -, ihre Rolle nicht nur mit der üblichen körperlichen Präsenz und ihrem Charisma auszufüllen, sondern auch schauspielerisch vielseitiger, als Ex-Model, die vom fotografiert Werden zum Fotografieren übergegangen ist, als Frau, die sich ihre Männer nach ihren eigenen Begehrlichkeiten aussucht – und nicht umgekehrt. Die seit Black Mama, White Mama immer mal wieder durchscheinende Verletzlichkeit und Angreifbarkeit ihrer Figuren – trotz ihres Status’ als Action-Heldin -, sie kommt in Friday Foster daher besonders zum Tragen, und Quentin Tarantino wird über 20 Jahre später in Jackie Brown gerade diese Seite der schauspielerisch so lange unterschätzten Pam Grier hervorheben.

 

Bild-/Tonträger:

Blu-ray: „Friday Foster“ (88 Films, 2016), Bild: 16:9-1.85:1, Ton: Englisch.

Soundtrack-CD: Luchi DeJesus: “Friday Foster” (Beyond, 2001).

Pam Grier’s Soul Cinema der AIP auf Blu-ray:

Coffy“, “Black Mama, White Mama“, “Foxy Brown” sowie “Sheba, Baby” sind sämtlich in Großbritannien bei Arrow Video in guten bis hervorragenden Editionen auf Blu-ray erschienen, “Scream, Blacula, Scream” ebenfalls dort bei Eureka Entertainment.

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