FOXY BROWN (1974) von Jack Hill

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Foxy Brown (Jack Hill, 1974)

“Die 70er waren eine Zeit der Freiheit und Frauen sagten, sie wollten Selbstbestimmung. Es gab damals mehr Selbstbestimmung und Selbstfindung als in jedem anderen Jahrzehnt, an das ich mich erinnern kann. Überall im Land waren Frauen Foxy Brown und Coffy. Sie waren unabhängig, kämpften für das Wohl ihrer Familien, akzeptierten keine Vergewaltigungen oder Opferrollen mehr. Und dies geschah im ganz Land. Ich selbst habe es nur auf die Leinwand gebracht. Ich glaube nicht, dass es dafür viel Talent oder Fantasie gebraucht hat. Ich habe es lediglich zum Ausdruck gebracht, es der Gesellschaft zurückgespiegelt” – Pam Grier, 2006.

“Revenge is a virtue
You stood up like you should
Standing up strong
Like we all wish we could
You’re a shining symbol
A shining symbol
Of black pride
You’re a new breed
A future seed
A new breed
Of black pride, yah!”

Mit diesem programmatischen Refrain von Roy Ayers’ Song “Shining Symbol“ endet Coffy von 1973 – während das Bild eingefroren und Pam Grier als „Coffy Coffin“ in der Abenddämmerung am Strand wie eine neue Kino-Ikone inszeniert wird –, der Film, mit dem Jack Hill und Pam Grier ein Jahr zuvor nicht nur einen kommerziellen Überraschungshit landeten – der Film schaffte es sogar kurzzeitig auf Platz 1 der US-Kino-Charts -, sondern eine Statement abgegeben haben, dessen Bedeutung für Millionen schwarze Kinobesucher allen Beteiligten vielleicht erst nach und nach so richtig bewusst wurde und garnicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Foxy Brown sollte dann ursprünglich auch ein Sequel zu Coffy werden und “Burn, Coffy, Burn” heißen, doch die Verantwortlichen der AIP hielten Sequels für kommerziell weniger erfolgversprechend, so dass Regisseur und Autor Jack Hill die Erzählung des Vorgängers auf die neue Figur „Foxy Brown“ umschrieb. Und mit Foxy Brown wurde Pam Grier tatsächlich und endgültig zu einem „Shining Symbol“, exakt so, wie es Roy Ayers’ im Refrain seines wunderbaren Funk’n’Soul-Songs beschrieben hatte. Nun erhällt sie von Jack Hill ihre Star closeups, bestimmt ihre Garderobe vollkommen selbst, verlangt nicht nur mehr Honorar – nicht gerade zur Freude von AIP-Chef Sam Arkoff –, sondern auch erheblich mehr Einfluss auf die Gestaltung ihrer Rolle – seinerzeit noch nicht gerade zur Freude Jack Hills, der der Ansicht war, ihre Garderobe würde von ihrem Gesicht ablenken.

Zur Handlung: Lincoln “Link” Brown (Antonio Fargas) ist in Schwierigkeiten, zwei Schläger Eddie (Tony Giorgio) und Bunyon (Fred Lerner) versuchen ihn des Nachts an einem Taco-Stand kalt zu machen. Er ruft verzweifelt seine Schwester Foxy Brown (Pam Grier) an, die ihn äußerst rüde gerade noch einmal herausholt. Link ist auf die schiefe Bahn geraten, heroin- und spielsüchtig, schuldet er dem örtlichen Drogen- und Callgirlring um Miss Katherine (Kathryn Loder) und ihren Lover Steve (Peter Brown) eine hübsche Summe Geld. Foxy Brown ist mit dem Drogenfahnder Michael Anderson (Terry Carter) zusammen, der sich nach einem Undercover-Einsatz einer Gesichtsoperation unterziehen ließ, um fortan unerkannt zu bleiben, nachdem er seinen Job beendet hat.

Doch trotz der eindringlichen Warnung von Foxy Brown, kann Link nicht von den Drogen lassen und verrät Andersons neue Identität an die Gangster. Die erschießen Anderson und bringen bald darauf auch Link um. Foxy Brown sinnt nun auch Rache und verschafft sich als vermeintliches Luxus-Callgirl Zugang zum inneren Kreis von Miss Katherines Organisation. Gemeinsam mit dem Callgirl Claudia (Juanita Brown) wird sie von Miss Katherine auf den Richter Fenton (Harry Holcombe) angesetzt, um die Dealer der Organisation frei zu kaufen.

Foxy Brown und Claudia geben den alten Richter aber der Lächerlichkeit preis, verstecken sich hiernach, werden aber von Miss Katherines Schlägern aufgespührt. Foxy Brown wird zu zwei Drogendealern in eine Hütte gesteckt, dort angefixt und mehrmals vergewaltigt. Sie kann sich befreien, mit zur Waffe umfunktionierten Drahtkleiderbügeln und Benzin bringt sie die beiden Dealer um und wendet sich hiernach hilfesuchend an das schwarze Nachbarschaftskomitee, einer Black Panthers-artigen Organisation, die nur aus Männern besteht. Gemeinsam mit dem Komitee stellt Foxy Brown nun Miss Katherines Organisation eine Falle und macht sich an den Drogenkurier Hays (Sid Haig) heran.

Nachdem dieser sie zu einem „heißen“ Probe-Flug eingeladen hat, gelingt es ihr und dem Komitee die Schläger auszuschalten – mit den Propellern der Maschine! – und Miss Katherines Lover Steve festzusetzen. Foxy Brown lässt Steve kastrieren und schickt dessen Genitalien in einem Einmachglas zu Miss Katherine. Dann taucht Foxy Brown selbst bei Miss Katherine auf, legt deren restliche Schläger mit einer Mini-Pistole, die sie aus ihrem Afro zieht, um und teilt ihr anschließend mit, dass der Tod noch zu wenig für sie sei – ihr kastrierter Lover würde ihr noch lebendig nachgeliefert.

Den Soundtrack von Foxy Brown, veröffentlicht über das legendäre Mowtown-Label, übernahm diesmal Willie Hutch, musikalisch wie textlich wurde daraus eines der – neben Curtis Mayfields Soundtrack zu Super Fly (Gordon Parks Jr., 1972) – vielleicht besten Funk’n’Soul-Alben der 70er, voller herausragender Songs und aufregender Jazz-Einsprengsel. Überflüssig zu betonen, dass diese Musik dem Film seinen Rhythmus, seinen Drive und seinen Soul verleiht. Dies und eine geradezu überwältigende Präsenz Pam Griers macht Foxy Brown zu einem der herausragendsten Werke des Black cinema bis heute überhaupt. Diese Präsenz ist ebenso darstellerisch wie physisch und sexuell, modisch wie sprachlich, als Role model wie als Style model, vor allem aber als Widerspiegelung für das Empowerment der schwarzen Frau, die sogar noch den Männerclub der Black Panthers in ihren Dienst nimmt, eben für das: „Standing up strong/Like we all wish we could“.

Jack Hill, vielleicht der Regisseur, der das Kino Quentin Tarantinos am weitesten vorweggenommen hat, hat sein Hauptwerk – Spider Baby (1967), Pit Stop (1969), Big Doll House (1971), The Big Bird Cage (1972), Coffy (Coffy – die Raubkatze, 1973), Foxy Brown, The Swinging Cheerleaders (Footballmatch und süsse Girls, 1974) und Switchblade Sisters (Die Bronx-Katzen/Die Switchblade Sisters, 1975) – mittlerweile vollständig mit Audiokommentaren versehen. Bei Foxy Brown gibt er darin unverholen zu, seinerzeit mit der Self determintation Pam Griers in diesem Film noch seine Schwierigkeiten gehabt zu haben, merkt dann aber auch an, es erfülle ihn heute mit Stolz, diesen Film gemacht zu haben und Teil davon gewesen zu sein, Teil jenes: „You’re a new breed/A future seed/A new breed/Of black pride”. 2001 sagte Jack Hill dann rückblickend: “Ihr grösster Beitrag zu unseren gemeinsamen Filmen war, wie sie ihre eigene Persönlichkeit einbrachte und die Rollen, die ich für sie geschrieben hatte, zum Leben erweckte, wie es wahrscheinlich keine andere Darstellerin geschafft hätte.”

Und als Quentin Tarantino, nicht zufällig mit Jack Hill gut befreundet, dreiundzwanzig Jahre später seinen mit Abstand besten Film Jackie Brown drehte, ist es ihm tatsächlich gelungen, diesen Black pride noch einmal einzufangen, dank Pam Grier, die auch gegenüber ihm noch einmal auf ihre Self determinitation bestand, darauf, dass sie “die ganze Pam mit meiner Krankheit, den Todesfällen in meiner Familie, meinen Erfolgen und Niederlagen der letzten zwanzig Jahre in diese Jackie Brown hineinwerfen” wollte.

 

Bild-/Tonträger:

 

DVD: “Foxy Brown” (MGM/20th Century Fox, 2006), Bild: 16:9-1.85:1, Ton: Deutsch/Englisch/Französisch/Italienisch/Spanisch. Blu-ray: „Foxy Brown“ (Arrow Video SteelBook, 2013), Bild: 16:9-1.85:1, Ton: Englisch. Extras: u.a. Booklet; Audiokommentar von Jack Hill.

Soundtrack-CD: Willie Hutch: “Foxy Brown” (Motown, 1996).

Pam Grier’s Soul Cinema der AIP auf Blu-ray:

Coffy“, “Black Mama, White Mama“ sowie “Sheba, Baby” sind sämtlich in Großbritannien bei Arrow Video in guten bis hervorragenden Editionen auf Blu-ray erschienen, “Friday Foster” in Großbritannien bei 88 Films, “Scream, Blacula, Scream” ebenfalls dort bei Eureka Entertainment.

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