Black Lives Matter – PAM GRIER’s Soul Cinema der AIP

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Black Lives Matter – Pam Grier’s Soul Cinema der AIP

“In meinen Filmen aus den siebziger Jahren ging es zum ersten Mal um schwarzen Stolz. Foxy Brown oder Coffy sind starke Frauen, die ihre Weiblichkeit trotz ihres gerechten Zorns nicht verlieren” – Pam Grier, 2010.

Eine Ikone. Ein Statement der Ästhetik des Black cinema sicherlich, vor allem aber ein trotziges Statement der Würde, der Stärke, der Selbstbehauptung. Sobald Pam Grier in der Titelsequenz von Jackie Brown (Quentin Tarantino, 1997) zu Bobby Womacks “Across 110th Street” die Leinwand passiert, sind alle Maßstäbe verschoben. Die von Tarantinos literarischer “Pulp”-Vorlage – Elmore Leonards “Rum Punch” (1992), deren Hauptpfigur eine Weiße ist – ebenso, wie die der filmischen Referenzen des Blaxploitation-Kinos der 70er Jahre, aber auch die von Tarantino selbst, der hier zum ersten Mal in seinem Filmschaffen tatsächlich Empathie für seine Figuren entwickelt.

Pam Grier in Jackie Brown (Quentin Tarantino, 1997)

Doch Tarantinos Empathie galt nicht allein der Filmfigur “Jackie Brown”, sie galt seinen beiden Hauptdarstellern Robert Forster und Pam Grier, deren Karrieren im Exploitation- und Blaxploitation-Kino lange zurück lagen und eigentlich bereits beendet waren. Es waren die Helden, die Tarantino seit seiner Jugend in der “Video Archives”-Videothek im kalifornischen Manhattan Beach verehrt hatte. Tarantino eignete sich sein enzyklopädisches Filmwissen seinerzeit über das Fernsehen und die Videothek an, ein Wissen, mit dem er sich leidenschaftlich seine eigene Filmgeschichte schuf, von Godard und Rohmer, über den italienischen giallo-Thriller oder B-Filmen wie Alligator (Der Horror-Alligator, Lewis Teague, 1980) mit eben Robert Forster, bis hin zum Drive-In-Kino der “American International Pictures” (AIP).

Zu Beginn der 70er, als Roger Corman die AIP verließ (um bald darauf seine eigene Firma “New World Pictures” zu gründen), trat die Exploitation-Firma in eine neue, letzte Phase ein. Nicht mehr die Teenager- und Science Fiction-Filme der 50er, nicht mehr die Horrorfilme der 60er, bildeten nun die Masse der Filme, die die Firma schnell und billig in die Auto-Kinos brachte, sondern Action-Filme, Sex-Filme, Frauengefängnis-Filme – und Blaxploitation-Filme. Es war gewissermaßen New Hollywood von unten, nicht die große Kunst stand im Mittelpunkt, sondern das schnelle Geschäft, nicht die politische Aussage war das primäre Ziel der Firma, sondern die ökonomische Ausbeutung.

Jet-Magazin/Ebony-Magazin (1973/1976)

Nachdem MGM 1971 Gordon Parks’ Shaft mit Richard Roundtree in die Kinos gebracht hatte, der Film $13 Millionen einspielte (und Isaac Hayes’ Filmmusik sogar einen Oscar erhielt), und nach dem Erfolg von Warners Cleopatra Jones (Ein Fall für Cleopatra Jones, Jack Starrett, 1973) mit Tamara Dobson, hatte auch die AIP ihr neues Ausbeutungs- und Erfolgsmodell gefunden. Zu ihren neuen Erfolgsregisseuren zählten Jack Hill und Arthur Marks und ihr neuer Star hieß Pam Grier, die bei Roger Cormans “New World Pictures” begonnen hatte, hiernach einen Funfjahres-Vertrag bei AIP erhielt und dann rasch mit insgesamt sieben Filmen für die AIP bereits damals zur Ikone des Black cinema avancierte. In erster Linie aber spielten Filme wie Coffy, Black Mama, White Mama (Frauen in Ketten, Eddie Romero, 1973), Scream Blacula Scream (Der Schrei des Todes, Bob Kelljan, 1973), Foxy Brown (Jack Hill, 1974), Sheba, Baby (William Girdler, 1975), Bucktown (Arthur Marks, 1975) und Friday Foster (Friday Foster – Im Netz der schwarzen Spinne, Arthur Marks, 1975) für Samuel Z. Arkoffs AIP zuverlässig das Vier- bis Fünffache ihres Budgets ein.

Sheba, Baby (William Girdler, 1975)

Trotz dieses rein kommerziellen Hintergrunds, hatte das Blaxploitation-Kino für das überwiegend schwarze Publikum eine nicht zu bestreitende gesellschaftliche, sogar politische Relevanz. Dabei stand es der Radikalität der Black Panther Party (die sich ursprünglich Black Panther Party for Self-Defense nannte), ihrem schwarzen Nationalismus und Gemeinschaftsdenken, ihrer sozialistisch motivierten Rebellion mit dem Ziel schwarzer kultureller, ökonomischer wie politischer Selbstbestimmung, weit näher, als den Identitätspolitiken gebildeter Mittelschichten. Es sind schmutzige Filme, unglaublich rohe Filme, die auch ständig den Opportunismus und Sexismus der Schwarzen untereinander beinahe ungefiltert thematisieren – “Die Hälfte der schwarzen Männer respektieren keine Frauen”, so Pam Grier einmal in einem Interview. Und Coffy ist der gewaltige und gewalttätige Auftakt zu diesem Kino, das dann aber auch von Film zu Film immer milder, bewusster wurde, bereits schon ein Jahr später mit Foxy Brown, und Arthur Marks’ Friday Foster von 1975 wirkte – obwohl eindeutig noch ein Blaxploitation-Film – dann abschließend fast schon wie ein Meta-Film, wie ein Tableau der Reflexionen auf all die schwarzen Themen und Bewegungen dieser Zeit.

Die Botschaft von Pam Grier’s Soul Cinema der AIP bleibt gerade in ihrer Einfachheit so wichtig: Black Lives Matter! Und sie bleibt hochaktuell, denn unsere Zeiten führen uns gerade wieder einmal deprimierend vor, dass wir noch lange nicht so weit sind.

 

Pam Grier’s Soul Cinema der AIP auf Blu-ray:

 

Coffy“, “Black Mama, White Mama“, “Foxy Brown” sowie “Sheba, Baby” sind sämtlich in Großbritannien bei Arrow Video in guten bis hervorragenden Editionen auf Blu-ray erschienen, “Friday Foster” in Großbritannien bei 88 Films, “Scream, Blacula, Scream” ebenfalls dort bei Eureka Entertainment.

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