Amerika: THE SEARCHERS (1956) von John Ford

The Searchers (Der schwarze Falke, John Ford, 1956)

Die Hütte ist gar kein Wohnhaus, dort dürfte eigentlich nichts stehen, denn solch ein Ort kann niemanden ernähren. Folglich ist die Rückkehr Ethans auch keine Rückkehr. Nicht zu dieser Familie, die garnicht seine Familie ist. Die Abenddämmerung vor dem Überfall ist keine Abenddämmerung, es ist das Vorglühen einer Hölle.

Die Topografie der Suche über fünf Jahre ist keine Topografie, es ist ein Kreisen um ständig denselben Ort (Monument Valley), um den Ort, wo eigentlich nichts sein kann. Der Wechsel der Jahreszeiten zeigt gar keine Jahreszeiten, sondern innere Aggregatzustände, affektive Temperaturen (dort wo es am kältesten ist, sehen wir die blutigen Überreste eines Massakers an Indianern).

Alles ist in The Searchers Innensicht, Innensicht von Ethan (John Wayne), bei dem man sich am Ende fragt, ob er überhaupt noch lebt, aus dem Krieg wirklich zurückgekehrt ist (Anfang und Schlussbild), was das da eigentlich für ein Tor, für eine Grenze ist.

Bis auf wenige Ausnahmen, ein Film als Summe und Schlußstrich fast aller Adult-, Noir-, Frontier-, Indianer- und Bürgerkriegswestern, die bis dahin gedreht wurden. Der Westerner – der „Duke“ John Wayne – ist an seinem Ende angelangt und zieht Bilanz: Orte, die keine sind, an denen man folglich nicht bleiben kann; Kinder, die nicht groß werden; Frauen, die ewig warten oder die man an den Wahnsinn und/oder die Indianer verliert; Grausamkeiten, zu denen man selber wird, indem man sie bekämpft; vor allem aber, keine Geschichte, keine Wurzeln, keinen wirklich Ort gehabt zu haben – dieses „Texas“, es besteht nur aus einem diffusen Westen (Wüste), Osten (Sumpf), Norden (Schnee) und Süden (Mexikaner).

Dies alles, die Figuren, seine Zustände, die Nichtorte, sind nun noch einmal an Ethan vorbei gezogen. Er kehrt zu der Hütte zurück. Nach der toten Familie vom Anfang ist da schon wieder eine Familie, die garnicht seine Familie ist. Doch diesmal durchschreitet er das Tor – die Grenze – nicht. Denn niemand ist da, um ihm die Augen auszuschießen, so wie er es zuvor bei einem toten Indaner getan hatte, damit er dies alles im Jenseits nicht noch einmal wieder sehen muss, in einem ewigen Kreislauf des Kommens und Gehens. Die Rache, die Ethan an dem toten Indianer – wie die Frauen selbst längst zu einem solchen, zum „schwarzen Falken“ geworden – vollführt, für ihn selbst wäre dies ein Gnadenakt gewesen. Aber Ethan muss wieder losziehen. Es gibt keine Erlösung davon, sich schuldig gemacht zu haben.

The Searchers ist ein Film über das Wesen und die Psychologie Amerikas, über das Nicht-zu-Ende-Kommen-Können. Über ein Wesen, welches bereits (von William Pfaff) “the irony of manifest destiny” genannt wurde – “die Ironie eines manifestierten Schicksals”.

 

Bild-/Tonträger:

Blu-ray: „Der schwarze Falke“ (Warner, 2006), Bild: 16:9-1.77:1, Ton: Deutsch/Englisch/Französisch.

Hits: 33

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